Werden Zeitschriften bald aussterben?

Zeitschriften aussterben

Ich habe mir in den letzten Monaten oft die Frage gestellt, ob Zeitschriften irgendwann aussterben werden. Selbst habe ich zwei Jahre bei einer regionalen Sportzeitschrift als Redakteurin gearbeitet und habe diese Arbeit geliebt. Das Zusammenstellen der Texte in Absprache mit den Grafikern, den Werbeleuten, dem Chef. Der Aufbau der einzelnen Seiten, die geführten Gespräche mit Anzeigenkunden bis hin zu Pressesprechern für verschiedene Artikel. Das Schreiben der Zeilen, das Überliefern von Emotionen, von Eindrücken. Das Besuchen von Veranstaltungen vor Ort, das Zusammenspiel der gesamten Redaktion und dann, am Ende, das gedruckte Exemplar in Händen, welches zwei Monate nur auf dem Bildschirm vor uns existierte. Die glänzenden Seiten, das Wissen, für jeden Buchstaben in diesem Magazin die Verantwortung zu haben – es war toll.


Lese ich heute noch Zeitschriften?

Ich habe festgestellt, dass ich den Konsum von Zeitschriften mittlerweile drastisch reduziert habe. Unbewusst. Schleichend. Früher waren Zeitschriften für mich ein Medium, um mich in eine Ecke zu verkrümeln und mich News und interessanten Storys hinzugeben. Für eine halbe Stunde in meiner eigenen Welt zu verschwinden. Schon in der Redaktion damals habe ich schnell festgestellt, dass es für Fragen Dr. Google gibt. Dass man auch im Netz (kostenlos) die fast identischen Storys lesen kann. Oft sogar noch mit anderen Themen verbunden, die nur einen Klick entfernt sind.

Ich änderte mein Konsumverhalten, las immer seltener Zeitschriften. Warum kann ich gar nicht richtig erklären. Als ich am Montag vor einem Zeitschriften-Regal stand, hatte ich aber wieder so richtig Lust auf eine Zeitschrift. Stöberte durch die Magazine, schaute mir die Cover an – und ging mit leeren Händen nach Hause.


Irgendwas fehlt…

Die Themen interessierten mich nicht. Weder die der Lifestyle-Magazine, noch die Mode-Zeitschriften weckten mein Interesse. Fachzeitschriften gab es einige, aber mir wegen einem einzigen Artikel, der interessant klingt, eine Zeitschrift für 7 Euro kaufen? Dafür bin ich zu geizig.

Im letzten Jahr hatte ich kurzzeitig ein Magazin abonniert. Ein Magazin für Freiberufler, Selbstständige – meine Branche. Das Magazin war interessant, gut aufgebaut und sprach mich an – enthielt jedoch nichts, was ich nicht schon vorher durchs Internet erfahren oder gelernt hatte. Ich bestellte es also wieder ab.


Wenn Zeitschriften aussterben, wer ist dann Schuld?

Ich persönlich sehe kaum noch einen Reiz in einer Zeitschrift. Einzige Ausnahme: ich bin im Urlaub und möchte mich fernab vom Internet mit Klatsch berieseln lassen oder in Frauenthemen schmökern. Ich finde es selbst schlimm, dass so zu schreiben und zu wissen, aber wenn der Reiz weg ist, weil alles im Netz (oft noch ausführlicher zu finden) ist, wem soll ich da die Schuld geben? Mir selbst, weil ich das Internet links liegen und stattdessen Geld für eine Zeitschrift ausgeben könnte, die wahrscheinlich eh nichts Neues oder Spannendes für mich bereit hält?

Was denkt ihr zu diesem Thema? Gibt es Zeitschriften, die ihr empfehlen könnt? Oder seid ihr auch (unbewusst) auf das Internet umgestiegen, weil das Lesen von Zeitschriften mittlerweile teurer Luxus geworden ist?


 

22 Comments

  • Tabea 4. März 2017 at 10:16 am

    Zeitschriften habe ich mir bewusst noch nie selbst gekauft, nur mal bei anderen Leuten geliehen und gelesen oder eben die kostenlosen von dm…

    Der einzige Grund, warum ich mir allerdings nie so eine Zeitschrift gönne, ist, dass ich zu geizig bin. Wie du schon sagst gibt es halt alles auch im Internet und da eben kostenlos. Außerdem wird die Umwelt dann auch nicht belastet… Denn irgendwie sind Zeitungen und Zeitschriften ja doch immer eine enorme Papierv.erschwendung.

    Nur eine Zeitschrift hole ich mir regelmäßig und lese sie. Die Apothekenumschau. Denn bei Medizinsachen finde ich es wichtig, dass man da seriöse Quellen hat und da bin ich mir im Internet nie so sicher. Aber ich lese halt zu gern Dinge, die ich machen kann, damit es meinem Körper besser geht 😉

    Liebe Grüße

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    • Sonja 5. März 2017 at 8:36 am

      Siehst du mal, an den Umweltaspekt habe ich da gar nicht gedacht, aber du hast eindeutig Recht! Ich habe als Kind immer die Apothekenumschau gelesen, weil meine Eltern die immer so toll fanden 😀 Aber auch hier stimme ich dir zu: bei manchen Themen müssen die Quellen einfach vertrauenswürdig sein und da bist du mit der Apothekenumschau vermutlich besser bedient als im chaotischen Netz, wo jeder über alles schreiben darf (und es meist auch tut^^).

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  • Lila 4. März 2017 at 3:46 pm

    Ich denke, dass Zeitschriften aussterben werden und weiß nicht, ob ich dem hinterhertrauern soll. Einerseits finde ich es schade, weil ich sehr gerne durch bedrucktes Papier und bunte Bilder blättere – Andererseits habe ich das letzte Zeitschriftenabo vor fast 10 Jahren abgeschlossen und habe auch meine Gründe dafür. Viele dieser Gründe finde ich in diesem Artikel wieder. Leider würde ich deinen Blog gnadenlos zuspammen, wenn ich alle Gründe ausschreibe. Mein Kommentar ist jetzt schon zwei Seiten lang! Ich werd dazu demnächst einen Artikel schreiben ok?

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    • Sonja 5. März 2017 at 8:35 am

      Oh ja, einen Bericht von dir fänd ich cool!

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  • aurelia 4. März 2017 at 5:34 pm

    Zeitschriften gibt es hier noch eine und das ist meine Fernsehzeitschrift Tv hören und sehen, die haben wir schon 30 Jahre abonniert die mag ich nach wie vor weil sie auch einige Interessante Artikel hat zusätzlich zum Fernsehprogramm. Aber sonst habe ich auch irgendwie keine Lust mehr auf Zeitschriften weil sich vieles einfach wiederholt und etliches im Netz halt schneller zu finden ist.
    Was ich noch jeden Tag lese ist unsere Tageszeitung (ich glaub ich bin schon alt ) aber die als App zu lesen kann ich mir nicht vorstellen. Ich mag das Morgens die Zeitung und meinen Kaffee dazu
    Das wars mit analogem Zeitschriften, nicht mehr viel im Gegensatz zu früher, da habe ich ne Menge Zeitschriften gekauft. Von Wohnzeitschriften über Näh und Strickhefte bis hin zu Photoshopmagazinen und Fotografieheften.

    Lg Aurelia

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    • Sonja 5. März 2017 at 8:34 am

      Du bist du nicht alt, nur weil du die Tageszeitung liest 😀 Es gibt eben diese kleinen Rituale am Morgen und wer damit so zufrieden und entspannt in den Tag startet, macht doch alles richtig 😉

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  • lifegoesto 5. März 2017 at 9:13 am

    Ich habe eine Modezeitschrift im Abo, doch oft überfliege ich diese nur, weil wie du schon beschrieben hast, ich vieles schon im Netz gelesen habe. Wenn es die Zeit hergibt, versorgt mich eine Freundin mit ihren gelesenen Zeitschriften, das erspart oft Zeit und Geld, für doch eben ähnliche Artikel. LG Christina

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    • Sonja 5. März 2017 at 9:17 am

      Zeitschriften tauschen finde ich auch eine tolle Idee! Nur wenn man selbst keine mehr liest, ist das natürlich blöd 😀

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  • Anonymous 5. März 2017 at 10:26 am

    Stimmt, das bringt dich gar nicht weiter

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  • aurelia 5. März 2017 at 10:59 am

    *lach… danke 😀

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  • Lila 5. März 2017 at 4:59 pm

    Der Umweltaspekt ist wirklich interessant. Mich stören da allerdings viel mehr die Prospekte namhafter Versandunternehmen *hust*…

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    • Sonja 6. März 2017 at 8:38 am

      Die habe ich alle abbestellt. Ein Anruf reicht da und auch die Robinsonliste war da eine gute Hilfe! Schlimmer finde ich die regelmäßigen Packen an Wochenzeitungen inkl. gefühlt 100 Prospekten der Geschäfte aus der Nähe. Da hilft kein Schild an der Tür und nix. Wenn die nicht jede Woche käme, hätte ich so viel weniger Papiermüll :/

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  • Tabea 5. März 2017 at 6:46 pm

    Irgendwie komisch, dass ich Printmedien generell mehr vertraue als dem Internet… Und das, wo doch schon so viele Fachbücher beispielsweise über Ernährung existieren, die nur Halbwissen enthalten… das ist doch bestimmt in anderen Bereichen nicht besser, oder?

    Liebe Grüße

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    • Sonja 6. März 2017 at 8:41 am

      Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung und will es auch nicht wissen 😀 Im Ernst, seitdem jeder ja selbst verlegen und Bücher auf den Markt schmeißen darf, wem kann man da noch vertrauen? Selbst die Ärzte geben manchmal Unsinn von sich 🙁

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  • Tabea 6. März 2017 at 6:50 pm

    Oh ja, die Ärzte hatte ich jetzt noch gar nicht auf dem Schirm, aber da ist es ja besonders fatal… Wem kann man eigentlich heute noch vertrauen? Schade, dass unsere Welt so geworden ist, dass man nie weiß, was man glauben darf und was nicht.

    Liebe Grüüße

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  • Jessy 15. März 2017 at 3:34 pm

    Ein toller Beitrag. Ich lese hin und wieder gerne einmal eine Zeitschrift, aber nutze viel mehr das Internet, um mich zu informieren. Oder eben dann wirklich Fachliteratur.

    Liebe Grüße Jessy von Kleidermaedchen.de

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    • Sonja 16. März 2017 at 12:34 pm

      Lieben Dank dir für deine Worte, Jessy!

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  • Iana 19. April 2017 at 7:49 pm

    Ich habe auch schon lange keine Zeitschrift mehr in den Händen gehalten. Obwohl ich die immer ziemlich gerne gelesen habe, hat sich das in letzter Zeit irgendwie verlaufen. Zu Gunsten von Online-Zeit mit Blogs etc. Aber jetzt wo ich so darüber nachdenke habe ich irgendwie auch wieder Lust mir mal wieder ein Magazin zu kaufen. Auch wenn da das selbe drin steht, wie im Netz. ist irgendwie nur so ein Gefühl 🙂
    VG

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    • Sonja 19. April 2017 at 10:10 pm

      Die Lust habe ich auch oft, wenn ich dann aber die Zeitschriften in die Hand nehme und sehe, welchen Inhalt sie haben, habe ich meist schon keine Lust mehr – einerseits schon schade… Vielleicht auch einfach zu Netz-verwöhnt 🙂

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  • Alles über meine Einnahmen als Freiberufler (Blogparade) 10. Juli 2017 at 5:14 pm

    […] gesagt kann ich dies bis heute nicht nachvollziehen. Dass ein Blog ein Medium ist, ähnlich einer Zeitschrift, wo es ständig Neues zu lesen gibt und da jemand nicht nur Herzblut, sondern vielen Stunden Zeit […]

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  • bknicole 26. November 2017 at 3:46 pm

    Bei mir war das ähnlich. In meiner Jugend gehörten Zeitschriften fest mit dazu und ich weiß noch wie besonders der Moment war, als ich mir meine erste Bravo gekauft habe. Die war bei uns damals ja sehr angesagt. Je älter ich wurde umso mehr bin ich dann auf die bekannten Mode- und Frauenzeitschriften umgestiegen, aber als ich dann mit meiner Ausbildung loslegte ging der Konsum dann auch immer weiter zurück und heute kaufe ich ehrlich gesagt gar keine Zeitschriften mehr. Vor allem bei Modezeitschriften ist mir mittlerweile zu viel Werbung drinnen und die Kleidung die dort gezeigt wird kann ich mir eh nur selten leisten. Blogs sind da meine erste Anlaufstelle für die Umsetzung neuer Trends geworden. Dazu fehlen mir die ernsthaftigen Artikeln. Klatschzeitschriften lese ich ebenfalls nur noch im Urlaub, weil sie dafür perfekt geeignet sind. Kurzweilige Unterhaltung im Flieger oder am Strand, wo man mal kurz mit der Begleitung drüber schmunzeln kann. Aber das war es dann auch schon.

    Ab und an stolpere ich zwar auch über Zeitschriften aus dem Geschichts- oder politischen, sowie Filmbereich, die mich interessieren würden, aber wie du schon sagtest: Die sind mir dann oftmals zu teuer, da mich dann nur bestimmte Artikeln interessieren oder halt mal ein bis zwei Interviews. Natürlich verstehe ich warum gerade Fachzeitschriften nicht gerade günstig ist, da die ja auch wesentlich hochwertiger sind als Artikel in einer Modezeitschrift, aber dafür fehlt mir derzeit einfach das nötige Kleingeld.

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    • Sonja 27. November 2017 at 8:25 am

      Oh ja, an die erste Bravo kann ich mich auch noch erinnern – auf dem Baumhaus mit der besten Freundin und einer Schnuckel-Tüte vom Bäcker 😀 Ich denke, wir haben da tatsächlich so ziemlich die gleichen Ansichten in allen Bereichen. Und klar hat es seine Berechtigung, dass eine Fachzeitschrift, die ja auch deutlich dicker ist als ein Klatschmagazin, teurer ist. Aber für zwei oder drei Artikel lohnt es sich einfach nicht…

      LG an dich und einen schönen Start in die Woche!

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