Wenn Frauen schreiben… #43 (…und das Leben unliebsame Überraschungen bereithält)

unliebsame Überraschungen

Wenn Frauen schreiben, dann denken sie viel zu wenig über sich und das Leben nach. Oft genug, manchmal zu oft, leben sie ausschließlich im Hier und Jetzt. Kein Gedanke an den nächsten Tag oder den nächsten Monat. Was später mal sein wird? Zeigt die Zukunft. Doch manchmal müssen Frauen, die schreiben, sich auch eingestehen, dass dies ein Fehler ist. Dieses ständige Verdrängen. Der ständige Gedanke, dass ausschließlich der aktuelle Moment zählt. Natürlich tut er das in vielen, vielen Momenten auch - und das ist auch gut so. Doch manchmal, wenigstens ab und zu, sollte der Blick, sollte der Gedanke über den Tellerrand hinausgehen. Immer nur im Hier und Jetzt zu leben kann gefährlich sein. Kann Existenzen bedrohen - vor allem die eigene. 

Frauen, die schreiben, müssen dem Leben ins Gesicht blicken

Manchmal haben Frauen, die schreiben, das Gefühl, dass sich die Welt für eine kurze Sekunde aufhört zu drehen. Dann bricht alles in sich zusammen. Alles, was sie monatelang in liebevoller Kleinarbeit und oft mühsamen Stunden aufgebaut haben. Sich immer alles schön zu reden, sich nicht dem zu stellen, was im Leben zählt - manchmal ist es verkehrt. Manchmal sollte man einfach das machen, was das Leben von einem fordert. Manchmal sollte man einfach zum Arzt gehen, sich durchchecken lassen. Dann entstehen diese Momente, in denen man mit Diagnosen konfrontiert wird, über die man im Leben nicht nachgedacht hat, auch nicht. Manche Diagnosen sind nicht schlimm, auch diese ist es nicht, aber dennoch hat es ihr gezeigt, dass man selbst betroffen sein kann. Dass man aufhören sollte, immer nur andere über die Wichtigkeit der Gesundheit aufklären zu müssen - sich selbst sollte man schließlich am nächsten stehen.
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Frauen die schreiben: Blicken sie jetzt besorgter in die Zukunft?

Frauen die schreiben, haben in all den Jahren vor allem eines gelernt: Das Leben ist das wichtigste und schönste Argument, um sich stets mit einem Lächeln zu bewaffnen. Um dem Leben zu zeigen, dass man sich zwar für einen Moment erschreckt hat, für einen Moment Panik geschoben hat, dann aber einfach da weitermacht, wo man aufgehört hat. Solche Diagnosen werden tagtäglich an Tausende von Menschen kommuniziert. Jeder geht anders mit ihnen um. Doch diejenigen, die sich über die Zukunft keine Gedanken gemacht haben, die einfach dachten, dass das Leben immer nur Sonnenschein für einen bereit hält, die trifft es in solchen Momenten am härtesten.

Wenn dir der Smiley im Leben fehlt, dann zeichne ihn dir einfach selbst!

Ich bin eine Frau, die schreibt. Ich bin 30 Jahre alt. Sportlich aktiv - schon immer. Ernähre mich die meiste Zeit ziemlich gesund und sündige meist nur bei Schokolade. Ich reite mehrmals die Woche und betreibe seit einigen Wochen Pole Fitness. Ich liebe die Bewegung im Leben. Wenn ich mit jemandem reden muss und eine gewisse Scheu an den Tag lege, dann laufe ich am liebsten. Unterhalten? Können wir doch auch bei einem Spaziergang! So muss ich niemandem in die Augen blicken und kann mich auf den Takt und das leise Klappern meiner Absätze auf dem Asphalt konzentrieren. Bewegung ist für mich Leben. Aufgrund meiner sportlichen Ambitionen habe ich auch schon mehrfach das Krankenhaus aufsuchen müssen. "Braucht jemand ein Schleudertrauma? Oh ja! Ich nehme eines!" Scheinbar habe ich diese Unterhaltung in meinem Leben schon zu oft geführt, denn (vermutlich) davon habe ich jetzt  die zwei Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule. Meine erste Frage nach der Diagnose "Kann ich weiterhin meinen Sport machen?" 
"Naja, wenn Sie es nicht übertreiben, keine Überdehnung provozieren... Wenn Sie nur soweit gehen, dass Sie keine Schmerzen haben..." 
"Also kann ich meinen Sport weitermachen?"
Ihr Nicken war für mich der beste Moment an diesem Tag. 

Wenn Frauen schreiben, dann beenden sie den Tag mit einem Lächeln...

Mein Leben war in den letzten paar Jahren eine Achterbahnfahrt. Gefühlsmäßig. Beruflich. Privat. Mit Höhen und Tiefen. Mit schönen Momenten und schmerzhaften Erfahrungen. Doch in den letzten Jahren hat mich vor allem eines ständig begleitet: Der Schmerz in meinem Kopf. Die Migräne. Nicht nur für den Moment, sondern tagelang. Ich schob es immer, die ganzen Jahre, auf den Stress. Auch als ich keinen Stress hatte, fand ich immer ein Argument für die Migräne - und weiß heute, wie falsch ich immer damit lag. Die Migräne, der Schmerz in meinem Nacken - nichts als Verspannungen, die auf einen Nerv drücken. 
Was jetzt folgt sind Behandlungen. Langwierige Behandlungen. "Sie sind noch jung, da kann man vermutlich noch was machen!"
Auch wenn mich die Diagnose im ersten Moment ehrlich gesagt überrollt hat und ich nur an den Satz der Ärztin denke, die mir was von "einige Wochen stationären Aufenthalt vermutlich" erzählte, so kann ich jetzt dennoch mit einem Lächeln auf die Situation blicken, in der ich noch mitten drin stecke.
Es sind nur zwei Bandscheibenvorfälle. Es sind im blödesten Fall nur ein paar Wochen, in denen ich meiner Tätigkeit als Freiberuflerin nicht nachgehen kann. Ich bin ansonsten kerngesund.  Mir geht es (abgesehen von den Schmerzen) gut. Ich genieße mein Leben jeden Tag.  Ich teile mein Leben mit Menschen, die ich liebe und Tieren, die mir jeden Tag ihre Liebe beweisen, indem sie für mich da sind. Es gibt Menschen in meinem Leben, die mir nah sind und denen ich mein Leben anvertrauen würde und Freunde, auf die ich mich verlassen kann. Ich kann weiterhin Sport machen. Und mehr will ich gar nicht...
Und vor allem hat mir das alles eines gezeigt: Manchmal sollte man eben doch an später denken. Bestimmte Vorkehrungen treffen - für den Fall der Fälle. Nicht erst, wenn es zu spät ist. Wer zahlt bei einem Arbeitsausfall? Wer kümmert sich um die Tiere? Wer ist wirklich für mich da? 

Frauen die schreiben, lernen im Leben immer wieder dazu. Auch wenn das Leben manchmal unliebsame Überraschungen bereithält, so sorgt es dennoch dafür, dass keine Langeweile entsteht. Das Leben streckt einem manchmal die Zunge heraus, doch mit einem Lächeln entwaffnet man auch diese Geste!

12 Comments

  • Tabea 17. Juli 2017 at 4:41 pm

    Liebe Sonja,

    Ein wenig erkenne ich mich in deinem Text auch als nicht-schreibende wieder. Ich gehe beim Reden auch am liebsten spazieren, mache täglich Sport und es wäre für mich das Schlimmste überhaupt, nicht mehr Rad fahren, reiten und Joggen zu dürfen.

    Dass es dich nun so getroffen hat mit der Diagnose, tut mir sehr leid. Deine positive Einstellung dazu ist aber einfach nur bewundernswert! In solchen Situationen würde mir das sehr schwer fallen, wobei es bei mir auch fast immer in Sportverbot endet.

    Ich wünsche dir eine schnelle Besserung und eine schöne Zeit im Zwangsurlaub von deiner selbstständigen Tätigkeit. Erhol dich einfach gut!

    Liebe Grüße

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    • Sonja 18. Juli 2017 at 12:48 pm

      Ich danke die Tabea!

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  • Aurelia 17. Juli 2017 at 5:46 pm

    Ich wünsche dir das du bald wieder ohne Schmerzen bist und drück dich derweil mal ganz feste ((( )))
    Liebe Grüße
    Aurelia

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    • Sonja 18. Juli 2017 at 12:48 pm

      Danke meine Liebe, ist angekommen 🙂

      Reply
  • shadownlight 17. Juli 2017 at 7:40 pm

    Liebe Anja, das hast du wundervoll geschrieben. Danke auch für die ehrlichen Worte über dich selbst!
    Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche!

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    • Sonja 18. Juli 2017 at 12:47 pm

      Ich danke dir meine Liebe und wünsche dir auch eine schöne Woche 🙂

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  • Maila May 17. Juli 2017 at 11:37 pm

    Hallo liebe Sonja,
    ich bin nun schon seit ein paar Jahren stille Leserin deines Blogs. „Wenn Frauen schreiben“ zählen definitiv zu den Posts, die ich am liebsten auf deinem Blog lese. Deshalb habe ich mich über diesen sehr gefreut, auch wenn deine Diagnose kein Grund zur Freude ist. In so einer Situation so offenherzig und ehrlich über sich selbst schreiben zu können… meinen Respekt.
    Ich wünsche dir alles Gute und schnelle Genesung 😉

    Liebe Grüße, Maila May

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    • Sonja 18. Juli 2017 at 12:47 pm

      Hallo liebe Maila,

      freut mich sehr, dass dir die Reihe gefällt und du meinen Blog schon lange liest. Ist immer das schönste Kompliment, wenn man so etwas lesen darf – lieben Dank dir!

      Ich danke dir auch für deine Worte und deine Genesungswünsche! Ich bin guter Dinge, dass das alles sich (hoffentlich) bald erledigt hat und ich in Zukunft weniger oft mit Schmerzen und tagelanger Migräne zu kämpfen habe…

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  • Lila 17. Juli 2017 at 11:49 pm

    Erstmal: Gute Besserung!
    Ich kenne dieses Gefühl. In den letzten 10 Jahren hatte ich gleich zwei solcher schlimmer Diagnosen. Fazit daraus: Das Leben geht weiter aber ich bin so vorsichtig geworden, dass der Spaß zu kurz bleibt. Mittlerweile stehen Sicherheit und Sorgen so weit oben, dass ich mich kaum noch etwas traue, was nicht doppelt und dreifach abgesichert ist. Ich bewundere deine Stärke und hoffe, dass du deine Beschwerden minimieren kannst.

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    • Sonja 18. Juli 2017 at 12:44 pm

      Ich danke dir! Vorsichtig zu sein ist ja auch grundsätzlich richtig, aber wie du auch schon schreibst: Ich mag auf nichts verzichten müssen! Und solange ich von den Ärzten das Okay habe, dass ich mit Sport weitermachen kann, werde ich es tun 🙂

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  • Diana 19. Juli 2017 at 8:36 am

    Oh je, ich kann mir vielleicht gut vorstellen wie du dich fühlst….
    Für mich ist Bewegung auch gleich LEBEN. Und ich habe höllische Angst davor, dass ich mal „richtig“ Probleme kriege. Der letzte MRT-Befund vom Knie war schon ein Warnschuß. Lange Jahre übermässiger Sport haben den Knorpel verschlissen. Und da ich auch ständig mit Kopfschmerzen aufwache…., na ja,ich will es lieber gar nicht wissen… Jedenfalls nuß ich auch kürzer treten. Und das fällt sooooo schwer.
    Ich wünsche dir jedenfalls alles, alles Gute! Pass gut auf dich auf!
    Gute Besserung wünscht dir DIANA!

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    • Sonja 27. Juli 2017 at 9:12 am

      Ich danke dir für deine Worte liebe Diana! Ich kann dich verstehen, ich habe in den letzten Wochen auch öfter mal gedacht „wenn ich es nicht gewusst hätte und einfach so weitergemacht hätte wie bisher, wäre es vielleicht für meine Gedanken besser gewesen“

      Aber es ist doch immer so im Leben, was wäre gewesen, wenn… ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute!!!

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