Warum ich arbeite…

ich arbeite

Es ist 23.27 Uhr als ich das letzte Mal an diesem Tag auf die Uhr schaue. Fertig, endlich. Ich klappe den Laptop zu, schnappe mir die Jacke und gehe noch eine letzte Gassirunde, bevor es kurz nach Mitternacht ins Bett geht.

„Wo warst du am Samstag?“, fragte sie mich gestern.
„Ich habe es nicht mehr geschafft.“, gestehe ich kleinlaut.
„Aber ich dachte, jetzt wo du selbstständig bist, kannst du dir die Zeit besser einteilen?“

Ja, ich wäre verdammt gern zu dieser Party gegangen…


Ich arbeite, weil…. Was war nochmals der Grund?

Die letzte Zeit war ein regelrechter Kampf gewesen. Ständig müde und lustlos. Mir fehlte einfach die Motivation, das Ziel – und daran fraß ich mich so fest, dass ich für einen zu langen Moment alles liegen ließ. Das Resultat war dann am Samstag deutlich zu spüren. Die Deadlines mussten eingehalten werden und so arbeitete ich Samstag bis in die Nacht hinein. Die Party? Verpasst.

Prioriäten setzen, vor allem wenn ich arbeite. Das war mir in den letzten Wochen deutlich abhanden gekommen. Ich machte alles irgendwie zwischendurch, zwar mit viel Leidenschaft, aber ohne Struktur. Und so saß ich fast jedes Wochenende bis spät Abends am Schreibtisch um die Deadlines für Montags zu schaffen – während sich um mich herum das Leben weiterdrehte – für die anderen… und ohne mich.


Schlüsselmomente

Dieses letzte Wochenende, mit der verpassten Party und dem kurzen Dialog mit meiner Freundin am Montag – es hatte mir die Augen geöffnet. War ich in den letzten Wochen noch verzweifelt Zielen hinterhergerannt, erkannte ich nun, wie absurd es gewesen war. Das wichtigste Ziel hatte ich vor lauter Suchen vergessen: das Leben.

Warum ich arbeite und mich zum Arbeiten motivieren sollte? Weil ich mir damit ein Leben ermögliche. Mit den Mädels feiern gehen, ohne auf jeden Cent achten zu müssen. Meiner großen Hexe jeden Monat das teure Futter finanzieren, welches ihr die Schmerzen ein wenig lindert. Bei schönem Wetter einfach nach draußen gehen und die Sonne genießen können. Mir kleine Wünsche erfüllen. Es gibt so sehr viele Gründe, warum das Arbeiten Sinn macht. Wenn denn das Timing stimmt.


Neue Träume und Ziele?

Gibt es nur indirekt. Und das ist im Moment auch in Ordnung. Aktuell bin ich aus dem Loch wieder draußen und weiß wieder, warum ich am Schreibtisch sitze und Worte in die Tastatur tippe. Worte, mit denen ich mein Geld verdiene und mir damit das Privileg erfüllen kann, ein Leben zu führen, wie ich es doch eigentlich immer haben wollte. Frei sein. Leben. Genießen. Und zwischendurch ein wenig arbeiten. Ich habe mir neue Prioritäten gesetzt, die ich in der letzten Zeit aus den Augen verloren habe. Zur richtigen Zeit arbeiten, um zu anderer Zeit das Leben auskosten zu können. Es ist doch eigentlich ganz einfach…

Ein kleines Ziel für nächstes Jahr habe ich allerdings schon. Aber dazu mehr, wenn es ausgereift ist. Vielleicht könnte das Bild ja schon eine kleine Andeutung sein 😉

Welche Schlüsselmomente haben euch schon aus kleinen (oder großen) Krisen herausgeholfen?

13 Comments

  • elizzy91 8. November 2016 at 4:30 pm

    Ein toller Beitrag.
    Darf ich fragen was du arbeitest?
    Ich finde es wichtig seinen Rhythmus zu finden, vor allem wenn man selbstständig ist!
    Wünsche dir ganz viel Kraft! ♥

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    • Sonja 8. November 2016 at 4:38 pm

      Lieben Dank dir! Ich bin Texterin 🙂

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  • shadownlight 8. November 2016 at 6:05 pm

    Hey, ich kenne diese Momente zu gut. Andere amüsieren sich währenddessen ich arbeite. Einen direkten Schlüsselmoment habe ich bisher nicht gehabt.
    Liebe Grüße!

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    • Sonja 8. November 2016 at 6:26 pm

      Eigentlich schade, dass wir solche Momente kennen. Ich versuche es aber nun zu ändern, du vielleicht auch? Vorausgesetzt, du kannst es beeinflußen?

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  • Tabea 9. November 2016 at 7:01 pm

    Ach du meine Güte – 23:27 Uhr… sowas sehe ich höchstens dann, wenn ich feiern gehe. Ich bin nämlich sowas von der Frühaufsteher und schlafe eigentlich nie länger als bis halb 7 – und gehe dementsprechenden meist zwischen neun und 10 schon ins Bett.
    Dass du mit deiner Arbeit in letzter Zeit zeitlich gesehen so schlecht hingekommen bist, ist aber wirklich blöd. Ich habe da das große Glück, dass ich total diszipliniert arbeite, weil ich schnell fertig werden will, um mich danach mit schönerem zu beschäftigen. Daher reichen mir meist auch 3-4 Stunden um ALLE Vorlesungen einer Woche nochmals durchzugehen und zusammenzufassen… und dabei ist das Handy und Internet immer in Reichweite, aber komischerweise komme ich tatsächlich trotzdem nie auf die Idee, mal zwischendurch bei Twitter oder so rein zu schauen 😉
    Trotzdem verpasse ich wohl in der nächsten Zeit eine Menge „echtes Leben“, da ich oft samstags Hochschule habe und somit freitags nicht feiern gehen kann… Dafür habe ich dann andere Tage frei, wo kein Mensch Zeit hat – denn wir wohnen ja auch inzwischen alle verstreut.

    Dass dir nun allerdings bewusst geworden ist, dass sich das Arbeiten nur lohnt, wenn man dann auch lebt, das freut mich sehr. Daher hoffe ich auch von ganzem Herzen, dass du deine Motivation besser mit deinem Timing unter einen Hut bekommst, sodass mehr Zeit fürs Leben bleibt!!!

    Ob dein Ziel für das nächste Jahr wohl so eine Art Urlaub am Wasser ist?

    Also Schlüsselmomente gab es bei mir schon ein paar – ganz unterschiedlicher Art 😉 Und manchmal reicht sogar ein einziger Satz von jemanden, sodass ich anfange, etwas zu überdenken… und letztendlich etwas umkrempele 🙂

    Liebe Grüße

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    • Sonja 12. November 2016 at 6:35 pm

      Das hatte bei mir auch weniger mit Disziplin zu tun. Manchmal ist die Luft einfach raus, der Körper macht auch nicht mehr mit und dann steht man da… Lieben Dank für deine Worte und ich hoffe, dass du trotz dem ganzen Stress dennoch gut Zeit fürs Leben findest – es ist so wichtig und Balsam für die Seele!
      LG und ein schönes, entspanntes Wochenende 🙂

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  • Lila 10. November 2016 at 10:16 pm

    Mein letztes Schlüsselmoment? Als mein bester Kumpel mich drei Wochen vor Abgabe meiner Abschlussarbeit mit Konzertkarten überrumpelt hat, weil ich absolut gar nix mehr außer der Abschlussarbeit gemacht habe. Ich hab es absolut bereut da hin zu gehen auch wenn die Deadline gedrückt hat wie sonst was und ich trotzdem (!) bis 4h nachts noch feiern war. Jetzt, wo die nächste Abschlussarbeit ansteht, versuche ich gar nicht erst so viel zu arbeiten. Dann brauch ich halt hälter oder es wird nicht perfekt, aber ich mache das NIE WIEDER mehr so viele Wochen am Stück durch. Außerdem sind mir meine Wochenenden heilig, auch wenn ich Deadlines habe.

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    • Sonja 12. November 2016 at 6:37 pm

      Aber so ein Kumpel ist doch echt Gold wert! Das Wochenende sollte auch heilig sein, aber ich kriege es auch nicht auf die Reihe. Habe heute in meiner alten Firma ausgeholfen und bereits um 6 Uhr dort am Schreibtisch gesessen^^ Jetzt arbeite ich meinen eigenen Kram auf. Da mit dem Prioritäten setzen muss ich auch nochmals üben 😀 Wünsche dir ein schönes WE!

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  • borstigesflauschi 10. November 2016 at 10:46 pm

    Ich fange Montag an zu arbeiten. Es ist alles andere als mein Traumjob, die Bezahlung ist eher schlecht als recht, aber es ist ok.
    Warum?
    Weil ich eigenes Geld habe, endlich meinen Eltern nicht mehr auf der Tasche rücke und nach knapp 4 Monaten auf Jobsuche endlich froh bin etwas gefunden zu haben.
    Momentan arbeite ich also eher um mir Kleinigkeiten zu erfüllen und meinen Schuldenberg zumindest im Ansatz zu dezimieren.

    Schlüsselmomente?
    Dann wenn ich mir langersehnte Wünsche erfüllen kann, Festivals besuchen, Bücher lesen, ja auch mal ein Kinobesuch drin ist, 3 lange geplante Reisen endlich antreten kann. Seit 4 bin ich nicht mehr groß weggewesen.
    Ich möchte nächstes Jahr mit meinen Freunden nach Schweden und dann noch 10 Tage mit meinem Freund nach Andalusien.
    Und in 2 oder 3 Jahren eine größtere Reise machen kann.
    Am liebsten in die Karibik oder sogar nach Vietnam.
    All das kann ich aber nur mit Sparen erreichen. Eisernem Sparen. Und damit fange ich nun schon an. <— das alles hilft mir die nächsten Wochen zu überstehen

    Neue Träume und Ziele?
    Reisen. Ich möchte mir einiges von Deutschland anschauen, Länder in Europa kennenlernen, Länder in Asien kennenlernen, nach Alaska, Oregon, Maine, Vancouver Island reisen, vielleicht auch nach Australien oder sogar die Pazifischen Inseln sehen.

    meinen Kleiderschrank komplett ausräumen und dann komplett ersetzen. Am liebsten sofort, aber dass ist geplant wenn ich weniger als 70 Kilo wiege. Also in einem Jahr etwa.

    Eine Familie gründen

    Vielleicht doch nochmal ein Studium wagen.

    Weiterentwickeln

    2 neue Sprachen lernen

    Zum Bild: du ziehst wieder an die Nordsee?

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    • Sonja 12. November 2016 at 6:43 pm

      Tausend Dank erstmal für dein mega ausführliches Kommentar! Ich finde deine Einstellung aber toll, dass du trotz „blödem“ Job es dennoch durchziehst um eben auf eigenen Beinen zu stehen. Großen Respekt davor!
      Deine Träume und Ziele finde ich klasse und ja, sogar vorbildlich im Sinne von: ich muss mehr um die Ecke denken! 2 neue Sprachen, wahnsinn! Welche magst du lernen wollen? Familie gründen? Du hast deinen Mr. Right also schon gefunden und ihr träumt gemeinsam?

      Zum Bild: nein, falsch geraten, aber ganz ehrlich? Das wäre mein absoluter Herzenswunsch. Nur in diesem Sinne kann ich mir diesen Wunsch so schnell nicht erfüllen. Meine bessere Hälfte ist auch selbstständig und hat seinen kompletten Kundenstamm hier. Von hier wegziehen würde für ihn ein großer Rückschlag bedeuten und das Risiko, ob er sich an der Küste das gleiche nochmals so aufziehen kann? Schwierig. Außerdem wohnt meine Mutter hier und ich mag nicht so weit von ihr getrennt sein wollen. Sie wird dieses Jahr 70, ist zwar noch mega selbstständig, aber ich mag für sie da sein wollen, wenn es dann vielleicht irgendwann mal nicht mehr so geht. Aktuell also ist dieses Thema für mich leider keine Option. Aber Träumen darf ich weiterhin und wenn mein Plan für nächstes Jahr klappt, dann wäre es schon einmal ein kleiner Trost 😉

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  • borstigesflauschi 14. November 2016 at 12:28 am

    Sprachen gibt es viele die mich total reizen. Ich lerne gerne, aber ich brauche viel Zeit. Ich bin nicht die cleverste und brauche oft lange um Sachen zu verstehen. Manchmal geht es aber einfach nicht in meinen Kopf. Fließend spreche ich aber nur Deutsch. Englisch verstehe ich zu 90% aber mir fehlt der aktive Sprachschatz um fließend zu antworten. Genau das Gleiche ist mit Niederländisch. Spanisch verstehe ich zu 50% aber ich spreche es gar nicht mehr. Schwedisch nur auf Kleinkindniveau. Ich arbeite nach und nach alles auf.
    Sprachen die mit zusätzlich noch reizen sind einige. Persisch, Ungarisch, Mandarin, Italienisch, Französisch, Japanisch, Isländisch und Kiswahili. Allerdings interessiert mich Türkisch auch aber nur um zu verstehen was die so reden. Richtig lernen möchte ich Ungarisch und Französisch und in Japanisch wenigstens mal reinschnuppern.
    Ich glaube schon, dass ich meinen Mr Right habe. Wir reden häufig drüber.
    Auch wenn das gelegentlich in Spinnerei ausartet

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  • dinestaps 30. Dezember 2016 at 6:48 pm

    Liebe Sonja, wow! Ich habe mich gerade länger durch deinen Blog gelesen und du sprichst mir teilweise wirklich aus der Seele. Exakt solche Situationen wie oben beschrieben habe ich auch schon erlebt. Auch ich mache mich gerade selbstständig, als SEO zwar und nicht als Texter, aber auch ich kenne Deadlines und das verzweifelte Suchen nach zielen. Lange Zeit dachte ich wirklich, mein Tun müsste etwas großes Bewirken. Etwas verändern. Das hat mich ins Burnout getrieben. Nun lebe ich für meine Kinder, meinen Mann, den Sonnenschein und das Meer, das ich mein Zuhause nenne. Danke für deine Worte!

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    • Sonja 30. Dezember 2016 at 6:59 pm

      Vielen lieben Dank dir für deine Worte! Es ist schön zu hören, dass man mit manchen Problemen nicht alleine ist. Dein Satz „Nun lebe ich für meine Kinder, meinen Mann, den Sonnenschein und das Meer, das ich mein Zuhause nenne.“ einfach nur WOW!!! Perfekter geht es wohl nicht und so ein bissl ist das auch mein Traum, irgendwann dazustehen und genau deine Worte wiedergeben zu können. Lieben Dank dir!!!

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