Spezies Reiter Kolumne: Kleider machen Leute, äh… Reiter!

„Ich habe eine neue Reithose! Sieht ein bisschen aus wie der Burberry-Style. Schick, oder?“ Meine Freundin kennt mich, ich kenne sie und ja, wir leben in unserer eigenen kleinen, großen Reiter-Welt. Aber das ist ok, man kennt uns dort.

Was die Gucci-Handtasche für die Fashionista, ist die Pikeur-, Sonnenreiter oder was-weiß-ich-Reithose für die modebewusste Reiterin von heute. Vorbei sind die Zeiten, in denen man in verwaschener Hose und altem Pulli in den Stall fuhr. Heute gibt es den Reitsport auch auf den Laufstegen dieser Welt und so kommt es immer öfter vor, dass sich auch die Stallgasse zum Laufsteg verwandelt, in der modebewusste Reiter zeigen, dass sie nicht nur was vom Pferd verstehen.


Gut reiten können? Braucht keiner! Nur Kleider machen Leute.. äh…Reiter!

Heute reicht es nicht mehr aus nur gut reiten zu können. Nein! In der heutigen Zeit muss man dabei auch noch gut aussehen und so ist es kein Wunder, dass natürlich auch die wasserfeste Mascara (falls mal ein paar Regentropfen vom Himmel fallen oder beim Abspritzen des Pferdes sich ein paar Wassertropfen in die falsche Richtung verirren) und das dezent geschminkte Gesicht eben genauso dazu gehören wie die entsprechende Marken-Reithose. Und wenn man es sich einmal genau überlegt, passt das geschminkte Gesicht doch wunderbar zu dem neuen Strass-Stirnriemen! Mit dem Pferd um die Wette glitzern? Kein Problem mehr!

Doch die Hersteller bekannter Reitermode machen es einem aber auch wirklich zu schmackhaft. Nano-Beschichtung, atmungsaktiv, wasserabweisend, komfortabel, feuchtigkeitsregulierend, strapazierfähig, pflegeleicht und schick – das ist die Mode für den stilechten und vor allem stilbewussten  Reiter von heute. Da gibt es Reithosen in sämtlichen Farben und Stoffen, so dass es schon recht schwer wird, sich für eine zu entscheiden. Aber das muss man heute ja nicht mehr – nein, man darf gar nicht mehr. Wie im Büro oder in der heutigen Bloggerwelt muss man auch im Stall zeigen, dass man stets am Puls der Zeit ist und ständig was anderes Modernes aus dem Schrank zaubern kann.

Heute dominieren edle Reithosen mit engen und noblen Poloshirts. Wahlweise auch die weiße Bluse, die natürlich besonders schick und edel aussieht und vom wackelnden Unterschenkel oder den unruhigen Händen ablenkt. Wenn das Pferd mal mit dem Kopf schüttelt, ach je, das war bestimmt nur wegen der Fliegen. Eine unruhige Hand, die das Pferd im Maul stört? Als modebewusster Reiter von Welt? Niemals!

Die schwarz glänzenden und vor allem sauberen (!!!) Lederstiefel braucht man an dieser Stelle eigentlich schon gar nicht mehr zu erwähnen… Eine Selbstverständlichkeit für die modebewussten Reiter von heute!


Die Spezies Reiter und das Thema mit der Reitkappe

Muss ich es echt noch erwähnen? Die Spezies Reiter und das leidige Thema mit der Reitkappe? Vermutlich nicht. Mal ehrlich, da muss man doch auch bitte Verständnis für haben, dass eine Reiterin ihre kunstvolle und mit teurem Shampoo und noch teurerer Kur behandelte Mähne nicht unter einer Reitkappe versteckt. Wo kämen wir denn da hin? Das Haar wird natürlich stilecht zu einem Zopf zusammengebunden, der mit ein wenig Haarlack befestigt wird – falls mal ein Windzug durch die Reithalle weht. Man weiß ja nie in der heutigen Zeit…


Einmal bitte Reiter-Accessoires zum Mitnehmen!

Die sind schon schlau, diese Reitermoden-Hersteller. Da gibt es spezielle Sonnenbrillen für Reiter und auch Reithandschuhe, die so verarbeitet sind, dass man mit diesen sogar das Handy bedienen kann. Das Handy auf dem Pferd? Wer mehr hierzu lesen möchte, bitte einmal hier entlang!

Ja, die Reiter lassen sich schon das Geld aus der Tasche ziehen. Aber ist ja auch von Prada oder Gucci, da ist das nicht so schlimm…


Pferd und Reiter bitte antreten!

Was die Reiterin alles geboten bekommt, gibt es natürlich (!) auch schon längst für das Pferd. So dürfte es auch niemanden mehr wundern, dass viele Ställe ihre Sattelkammern ausbauen. Irgendwo müssen die ganzen Sattel-Schränke ja hin und dass man als modebewusster Reiter nur noch einen Spind hat? Das geht ja mal gar nicht!

Fliederfarben, Türkis, Gold, Petrol, Pink- es gibt kaum noch eine Farbe, die man nicht an Schabracken oder Bandagen wiederfindet. Ich habe oft das Gefühl, dass sich manche Leute diesbezüglich regelrecht an ihren armen Vierbeinern austoben müssen. An Rappen oder Schimmeln sehen viele Farben auch noch relativ (…) gut aus, kriminell wird es erst, wenn man einem Fuchs rosa Bandagen und eine pinke Schabracke verpasst. Oder leide nur ich an dieser Farb-Phobie?

Der neuste Trend scheint ohnehin der “Kombi- Look” zu sein: Fliegenmützchen, Schabracke, Bandagen, Abschwitzdecke, Halfter, Strick – alles in einer einheitlichen Farbe (wie beim Militär, wobei ich ja denke, dass es in manchen Ställen tatsächlich fast so zugeht…)! Oder diese armen Zebras, ähh… Pferde auf der Koppel, die von ihren vierbeinigen Freunden vermutlich ausgelacht werden… Ich meine, gegen eine Fliegenmütze oder -Decke ist ja nichts einzuwenden, aber im Zebra-Look? Ernsthaft?

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Was haltet ihr denn von der Wildlederoptik? Oder wie steht´s mit Schabracken aus echtem Denim? Beige, Braun, Rost, Champagner und Schoko sind auch wieder im Trend! Und nur 2 Katalog-Seiten weiter findet man Eisgrün, Hellblau, Gelb, Rosa und Steingrün – ja was denn jetzt? Was genau ist denn jetzt IN? Pastellfarben, Erdtöne oder doch lieber was Kariertes? Samt oder der Strass- Steinchen-Look?

Fehlt eigentlich nur noch, dass demnächst Pferde den Laufsteg betreten, aber dann wüssten wir wenigstens endlich, was wirklich IN ist!

Besser reiten kann man durch die neuen Looks übrigens nicht…! Aber das ist ja auch nebensächlich. Hauptsache, die Spezies Reiter sieht gut aus auf ihren Zebras Rössern!

10 Comments

  • Hach… Ich bin eben kein modebewusster Reiter, auch wenn es schon besser geworden ist. Aber langsam werde ich doch zu dick für meine vor fünf Jahren gebraucht gekaufte Pikeur-Reithose, obwohl ich sie über alles liebe.

    Aber was den Strasd angeht: ich versuche immer verzweifelter Teile ohne das Zeug zu finden. Aber mein Pony begnügt sich derzeit auch größtenteils mit Zeug vom Vorgänger, meist No-Name.
    Und mein erstes shetty (Fuchs) musste fast immer mit Rosa Decke von Mamas altem haflinger rumlaufen, weil ich auf der den besten Halt hatte. Und die Kappe – ohne wäre ich vermutlich schon tot, nachdem, was Adena dieses Jahr mit mir veranstaltet hat.

    Aber das mit den Streifen ist gar nicht mal so dumm, weil es die Bremsen und fliegen verwirtt, sodass sie nicht landen können. Deswegen bin ich jahrelang im Sommer nur in gestreiften T-Shirts aufs Pferd gestiegen.

    Liebe Grüße

  • Himmel hilf. Nicht mal vor der Westernreiterei macht dieses Phänomen halt. Naja, zumindest die Freizeit-Westernreiterei blieb bis dato weitestgehend von solchen Farb- und Strasssteinchen-Orgien verschont. Aber auf den Turnieren jagen lilane Chaps den türkisfarbenen Boots auch schon den Rang ab….. Ich hatte mal eine Trainerin mit einem Faible für Pink: Alles an Pferd und Reiterin erstrahlte in dieser fröhlichen Farbe, egal ob Pads, Gamaschen, Stirnband, Reithosen oder Stiefel. Im Winter trug sie immer solche puschligen pinken Ohrwärmer; irgendwie nahmen die meine Aufmerksamkeit so gefangen, dass ich mich gar nicht mehr so recht auf das konzentrieren konnte, was sie mir und meinem Pony abverlangte, *ggg*!
    Und stell dir vor: Ein lieber Kollege von mir wurde am Turnier mal disqualifiziert. Du ahnst nicht, wieso: Wegen Nichteinhaltung der Kleidervorschriften. Dabei kenne ich keinen, der so originalgetreu gekleidet ist wie er. Also, ich meine: So, wie ein richtiger Cowboy alter Schule halt auszusehen hat. Bis hin zu den wunderschönen selbstgemachten Cuffs über’m Hemd. Da versteh ich die Welt dann wirklich nciht mehr!
    Selber reite ich tatsächlich in bequemen, aber alten Sachen, die es meinen Lieblingen nicht übelnehmen, wenn sie mal ihren Kopf dran reiben. Meine Reithosen sind robust und weit entfernt von einem chicen Burberry-Style, ausserdem sind es Herrenhosen, denn die Damenschnitte passen einfach nicht an meinen A…llerwertesten. Vielleicht rührt meine Auswahl an langlebigen und wiederstandsfähigen Materialien auch daher, dass ich jeden Tag ein paar Mal die Mistgabel in die Hand nehme, Schubkarren in der Pampa rumschiebe, Heuballen schleppe und den Besen schwinge. Da ist leider auch keiner, der mir das glänzend geputzte Pferdchen vorführt und mir beim Aufsitzen behilflich ist…… Naja. Vielleicht sehe ich beim Reiten nicht allzu preppy aus. Aber wir, meine Ponys und ich, kommen dafür immer gemeinsam ans Ziel! ;oD
    Herzliche Grüsse! (auch von JohnBoy und Harry!)

    • Dankeschön, jetzt musste ich bei deinen Worten echt grinsen, denn ich kann mir das alles soooo genau vorstellen 😀 Das mit der Disqualifizierung ist echt hart – ohne Worte :-O

      Als gelernte Pferdewirtin habe ich schnell bestimmte Marken für mich von der Qualität her schätzen gelernt. Wenn man am Tag 6 Pferde reitet, zwischendurch noch den Stall macht, Heuballen schichtet oder beim Schmied aufhalten muss, dann weiß man, was strapazierfähig ist – und was nicht^^

      Ist es jetzt peinlich zu fragen, wofür Cuffs sind? Ich weiß zwar wie sie aussehen, aber wofür sollen die gut sein? Verzeih meine Frage, aber ich bin seit 24 Jahren nur im englischen Stil unterwegs^^

      P.S. Geschmackssache, das weiß ich, aber ich persönlich finde, dass Pink tatsächlich nur an einem Friesen gut aussieht 😀 An anderen Rappen (egal welche Rasse^^) gefällt mir das nicht 😀

  • Nö, find ich gar nicht peinlich! Diese Manchetten aus Leder trägt man (oder vielmehr die Cowboys früher bei der Rancharbeit), um die Unterarme zu schützen bei Arbeiten mit dem Rope, beim Aufhalten von Pferdebeinen, zum Schutz vor Kaktusstacheln und spitzen Aesten im Gelände etc. und auch, um die übermässige Abnutzung der Hemdsärmel zu verhindern. Sie wurden ursprünglich von den spanischen Vaqueros getragen und fanden ihren Weg auch zu den amerikanischen Cowboys.
    So- jetzt weisste mehr! ;oD
    Hab einen schönen Abend, liebe Grüsse!
    PS: Ganz ehrlich?? Ich mag keine bunten Farben an Pferden. Ich fand schon das hellblaue Halfter an meinem Schimmel ziemlich gewagt, *ggg*!

    • Oh ja, das stimmt! Dennoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass manche „sehr, sehr teuren“ Reithosen für knapp 200 Euro nur fürs gut aussehen geeignet sind. Ich hatte mir den Spaß einer solchen Luxus-Reithose mal gegönnt und sie nach einem knappen halben Jahr in die Tonne treten dürfen, weil sie überall kaputt ging :/

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