Die Spezies Blogger und die Sache mit dem #throwback Hashtag

Wer nur flüchtig durch den Feed scrollt, übersieht ihn schnell mal: Den so mega beliebten #throwback Hashtag. Wer sich die aktuellsten Bilder seines Lieblings-Bloggers (wahlweise Influencer) anschaut, sieht vor allem eines: Ein Leben, welches sich wahlweise am Meer oder in den höchsten Bergen abspielt. Urlaub. Reisen. Größtenteils bezahlt, finanziell unterstützt oder wenigstens eingeladen, um an Veranstaltung XY oder Z teilzunehmen. So ein Leben hätten viele auch gern. Schließlich ist der Blogger ja laut seinem Feed ständig an den schönsten Orten der Welt.

Neid? Vielleicht, aber ein kurzer Moment des Neids sei jedem gegönnt und manchmal ist Neid eine echte Bereicherung im Leben. Manchmal aber auch nicht. Doch bevor man nun im Neid versinken und sich selbst fragen sollte, warum man selbst so wenig auf Reisen ist, lohnt sich ein kleiner, feiner Blick in die meist unendlich lange Liste der beigefügten Hashtags. Und da steht er. Klein, oft irgendwo am Ende zwischen anderen Hashtags versteckt, damit er auch ja nicht auf den ersten Blick gesehen wird: Der #throwback Hashtag. Da hätten wir es also. Blogger XY ist aktuell gar nicht am Strand. Schlürft den Cocktail mit dem rosa Schirm gar nicht jetzt, sondern irgendwann mal. Vor Wochen oder Monaten. Wer weiß das schon so genau.


Warum der #throwback Hashtag so gern eingesetzt wird

Der #throwback Hashtag schafft das, was andere nicht schaffen: Er sorgt (wenn er denn gesehen wird) für Aufmerksamkeit. Wenn wir ehrlich sind, schauen nur die wenigsten sich jeden einzelnen Hashtag an und bleiben daher mit dem Blick eben meist am geposteten Bild hängen. Urlaub. Sonne, Strand und Meer. Blogger, die den #throwback Hashtag besonders oft nutzen, zeigen im Prinzip nur eines damit: Dass sie nicht genügend aktuelle, spannende Bilder haben. Das ist im Grunde auch gar nicht schlimm, wenn es denn nicht die unausgesprochene Regel gäbe, dass man sich selbst und dabei bitte auch gleich alle anderen übertrumpfen muss.

Ist das eigene Leben nicht jeden Tag eine schillernd bunte Welt, so erschafft man sich einfach eine. Mit alten Fotos ist das ein Kinderspiel und als braver Blogger nutzt man den Urlaub oder die Presse-Reise schließlich dafür, so viel Content wie nur möglich zu kreieren. Für schlechte Zeiten und so…

#throwback Hashtag fashionqueensdiary

Manchmal wäre aber so ein gemütlicher Tag auf der Couch auch nichts verkehrtes im Feed. Vielleicht nicht ganz so spektakulär, aber vielleicht einfach… normal? So wie du und ich auch unseren Sonntag verbringen?


Was bei einem #throwback Hashtag Bild wichtig ist

Wer ein #throwback Hashtag Bild postet, hat beim Posten allerdings auf einige wichtige Dinge zu achten. So muss das Bild frei von Dingen sein, die einer Zeit zugeordnet werden können. Das bedeutet, dass beispielsweise im Bild die eigene Person nur dann zu sehen sein darf, wenn sie sich seit der Aufnahme des Bildes nicht merklich verändert hat. War die Bloggerin im Urlaub noch blond und trägt seit 3 Wochen einen braunen Bob, so würde das nicht nur die Follower verwirren, sondern auf den allerersten Blick zeigen, dass das Bild nicht aktuell ist. Ups, das geht ja mal gar nicht!

Ok, also lässt man sich (wenn man nicht gerade mit Kamera und Stativ selbst auf spektakulärer Foto-Mission ist) so ablichten, dass man die Bilder quasi jederzeit nutzen kann. Hat man im Winter ein paar Kilo zugelegt (ähm, vor Weihnachten, weil menschlich und normal und so…), kann das geschickt mit einem #throwback-Foto von vor drei Jahren weg gemogelt werden. So mit Anfang 20 war das mit dem Gewicht halten auch noch ein bisschen einfacher. Da hat der Körper selbst dafür gesorgt, dass man die Burger und Pizzen vom Wochenende und den kalorienreichen Cocktail nicht gleich auf der Hüfte sieht, aber jetzt? Lassen wir das besser…


Der #throwbackthursday

Der #throwbackthursday ist da eine kleine Ausnahme. Wie für jeden anderen Wochentag gibt es auch für den Donnerstag spezielle Hashtags, die dazu dienen, sich in der Gemeinschaft mit einem Motto zu präsentieren. Und Donnerstags wirft man eben ganz offiziell und dieses Mal auch offensichtlich einen Blick zurück.

Zugegeben, dabei wird dann auch gern mal übertrieben, um die anderen #throwback-Fotos nicht ganz so offensichtlich zu machen. Da werden Kinderfotos gepostet oder Bilder, auf denen man eindeutig erkennt, dass das Bild schon älter ist. Manche erkennen dies natürlich gleich am Style. „Ach ja, die Jacke von Gucci ist aus der Herbst-Kollektion 2012 und die Slipper von Prada sind sogar von 2010. Ich meine, es wäre die Sommer-Kollektion gewesen…“

Nun ja, jeder so, wie er möchte, oder?


Der #throwback Hashtag – nützlich oder böse irreführend?

Machen wir uns nichts vor. Hashtags sind für Blogger wichtig. Sehr wichtig sogar. Mit einem Hashtag wird man gefunden, schließt sich in Kreise ein, denen man angehören möchte #fashionblogger #germanlifestyleblogger #hundemami was auch immer.

Letztendlich profitieren die User und Follower auch davon. Wer gerade einen echt doofen Tag hinter sich hat, wird mit #cutedog, #sweetanimals und #meowsandwoofs wahrscheinlich ein bisschen entspannter in den Abend starten. Oder zumindest ein kleines Lächeln zustande bringen. Hashtags können also durchaus nützlich sein.

#throwback Hashtag fashionqueens diary

Manchmal wäre es aber doch schöner, wenn man auf den ersten Blick erkennen könnte, welcher Sinn tatsächlich hinter einem Foto steckt. Besonders die #ad #werbung #sponsored Hashtags werden immer noch gern ans Ende eines Beitrages gesetzt, obwohl es doch total in Ordnung ist, wenn ein Blogger Werbung auf seinem Social Media Account schaltet. Immerhin steckt nicht nur viel Herzblut in einem Beitrag (egal ob es sich um ein Foto auf Instagram, ein Youtube-Video oder ein Blogpost handelt), sondern auch Zeit (und oft auch Geld). Und warum soll man als Blogger nicht dafür entsprechend Geld erhalten dürfen?

Also ihr Lieben, versteckt eure Hashtags nicht in einer Masse anderer Hashtags, sondern tragt sie stolz zur Schau. Keiner wird euch weniger mögen, weil ihr in diesem Jahr nur 2x außerhalb des Landes gewesen seid und auch dass ihr nicht täglich so viel Spannendes erlebt ist vollkommen normal. Die Welt ist an manchen Tagen nicht mit tausend Farben gezeichnet. An manchen Tagen reicht die Farbpalette eben nur für zehn Farben und auch das macht euch nicht schlechter oder weniger sympathisch. Steht zu eurem Leben. Steht zu euren Erlebnissen und auch dazu, dass ihr euch gern mal in die Zeit zurück wünscht, als ihr mit einem Eis in der Hand am Strand gelegen habt. Wir tun es auch – und gelebte Erinnerungen sind doch ohnehin viel schöner als eine gemalte Welt, die nur in den Köpfen existiert!

14 Comments

  • Hach ja… Die Hashtags. Ich muss ja zugeben, dass ich von Throwback nicht so begeistert bin, weil ich einfach lieber wissen will, was gerade aktuell passiert.
    Aber andere Hashtags wie #NaNoWriMo und #365DoodlesmitJohanna haben mir schon viel Freude bereitet.

    Liebe Grüße

  • Hallo Sonja,
    ich bin dir immer so dankbar für Artikel wie diesen. Manchmal frage ich mich nämlich durchaus, warum bei mir alles so anders ist. 😉 Oder anders zu sein scheint. Mit Hashtags beschäftige ich mich erst seit der #SelfPubChallenge. 😉
    Ganz liebe Grüße an dich,
    Susanne

    • Ach wie lieb, Danke :-* Naja, sind ja auch nicht immer alle Hashtags schlecht. Grundsätzlich haben sie ja ihre Daseinsberechtigung und hey, die #SelfPubChallenge ist auch mega wichtig 😉 😀 Liebe Grüße an dich!

    • Ich finde mega unspektakuläre Leben auch vollkommen gut. Und ja, ich glaube dir durchaus, dass sowas vermutlich sogar glücklicher machen kann. Allein schon durch den nicht vorhandenen Stress, täglich was mega Wichtiges und Aufregendes erleben zu „müssen“ 😉 Liebe Grüße an dich und weiterhin eine entspannte Zeit ohne Hashtags wie diesen 😀

  • Ich würde mir ja auch mehr ehrliche Bilder auf den sozialen Netzwerken wünschen, aber die kommen halt nicht an. Man sieht schon einen Unterschied: bei gestellen, perfekten Bildern ist die Anzahl der Likes wesentlich höher, als bei einem ungestylten Selfie. Ist zwar traurig, aber die Realität. Die meisten möchten einfach den schönen Schein sehen, was ich ne gefährliche Entwicklung finde.

    Ich selbst bleib mir einfach treu. Zeige im Moment zwar auch viele Bilder von meinem London Aufenthalt der schon etwas her ist, aber ich glaube es wird deutlich, dass ich nicht ständig auf achse bin. Könnte ich mir finanziell als Studentin auch gar nicht leisten, da muss man echt jeden Cent umdrehen und sich gut überlegen, ob man verreisen kann oder nicht. London war ein langer Traum und da ein Kommilitone gerade dort war wollten wir ihn besuchen und somit der Zeitpunkt passend.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Bei Sissi muss ich ja immer an eine Freundin aus der Jugend denken, denn die hat den Film als Kind jeden Tag angeschaut und war verrückt danach xD. Ich kann damit eher weniger anfangen, dafür teile ich aber deine liebe zu Disney Filme, die sind immer toll.

    • Da hast du absolut Recht! Eine gefährliche Entwicklung ist vermutlich eine ziemlich treffende Bezeichnung. Erinnert mich ein bissl an den Magerwahn, den viele Mädels durchmachen, weil die (mit Photoshop bearbeiteten) Werbeplakate suggerieren, wie perfekt man aussehen kann… Ich finde es super, wenn du dir selbst treu bleibst. Es ist auch (zumindest in meinen Augen) sympathischer und gibt das Gefühl, den Menschen auf dem Foto eher als „Freund“ denn als „Star“ anzusehen – weißt du, was ich meine? LG an dich und hey, ich habe noch niemanden kennen gelernt, der Disney nicht mag 😀

    • Aus genau diesem Grund habe ich damals meinen Insta-Account deaktiviert – und bekomme dennoch genug mit, um solche Beiträge schreiben zu können 😀 Dir auch ein schönes Wochenende, lieben Dank!

    • Ich finde es grundsätzlich auch okay, wenn man als Leser/Follower sieht, dass jemand ein „älteres“ Bild gepostet hat. Aber zu versuchen, andere damit aufs Glatteis zu führen, geht gar nicht 😀 Danke dir für deine Worte liebe Dorie!

  • Ich benutze den throwback Hashtag auch gerne… was schlichtweg daran liegt dass andere Leute ihn benutzen und weil ich grundsätzlich keine Dinge poste, die tagaktuell sind. Ich male nun mal nicht jeden Tag ein Bild, sondern alle paar Monate mal. Was Fotos betrifft bin ich sehr zurückhaltend. Es geht niemanden etwa an, was ich gerade treibe und wo ich bin. Ob ich mich irgendwann mal dem Mainstream anpassen soll? Keine Ahnung…

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