Quality Time – welche Version lebst du?

Quality Time

Version 1

Sie liegt auf der Couch. Vor ihr auf dem kleinen, weißen Tisch brennt eine Diptyque Kerze und verströmt den Duft im ganzen Raum. Sie hatte sich ein heißes Bad mit einem wertvollen Öl gegönnt und es sich nun mit ihrem Kaschmir-Pullover auf der Couch bequem gemacht. Die teure Anti Aging Creme musste nun im Gesicht von alleine arbeiten, während die Cellulite Creme an den Oberschenkeln ihr übriges tat. Neben ihr stand eine Glaskaraffe mit Wasser. Sie kuschelte sich tiefer in die dünne Wolldecke und begann in der Vogue zu blättern, als ihr auffiel, dass sie etwas vergessen hatte. Sie zückte das Handy, legte die Vogue auf den Tisch und drapierte alles so, dass sowohl das Vogue Cover, als auch die Kerze zu sehen waren. Nachdem sie dieses Bild zufrieden auf sämtlichen Social Media Kanälen hochgeladen hatte, begann sie erneut in der Vogue zu blättern. Sie sammelte Inspirationen für den nächsten Outfit-Post. Es dauerte nicht lange, da erntete sie bereits erste Likes und Kommentare. Sie wurde bewundert für ihre „Quality Time“. Sie hatte es mal wieder geschafft. Eine Welt inszeniert. Sich selbst gehypt. Ein Bild kreiert, dass sich so wunderbar vermarkten ließ. Außerdem zeigte es, dass sie es mal wieder bitter nötig hatte. Sie arbeitete schließlich viel und hart und da muss dann auch die ganze Welt erfahren, dass sie sich nun eine Auszeit gönnte!

Version 2

Sie liegt auf der Couch und genießt den Duft ihrer heiß geliebten Ikea-Vanille-Kerze. Eingemummelt in ihre bequeme Puma-Hose und den kuscheligen Adidas Hoody fühlt sie sich ganz wohl in ihrer Haut. Sie hatte heiß geduscht, sich mit der Treaclemoon Bodylotion „warm cinnamon nights” eingecremt, die so herrlich nach warmen Zimt duftete und ihrem Gesicht die Bebe Kindercreme gegönnt. Sie liebte diesen cleanen Duft einfach und die Creme tat ihrer Haut gut. Die Bettdecke tat nun ihr übriges und sorgte für den ultimativen Kuschelfaktor. Auf dem weißen Tisch neben ihr steht eine Tasse mit heißem Kakao, daneben liegt eine Tüte mit gebrannten Mandeln. Kalorien zählen? Auf die Figur achten? Ja, aber nicht jeden Tag! Und so verbrachte sie den Nachmittag auf der Couch und verschlang Seite um Seite. „Shopaholic in Hollywood“. Kitsch? Vielleicht, aber es war ein leichtes Buch, versprach ein wenig Unterhaltung und Zeit in der eigenen kleinen Welt, in der es nichts gab außer dem Buch, den Leckereien und der Entspannung. Als sie am nächsten Tag auf der Arbeit gefragt wurde, was sie am Abend zuvor getan hatte, gab es eine kurze, aber aussagekräftige Antwort: „Auf der Couch gegammelt!“

Quality Time. Zwei Wörter. Zwei so unterschiedliche Arten sie auszuleben.

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