Liebesbrief für dich

Meine liebe Hexe,

seitdem du 2008 in mein Leben gestolpert bist, hat sich alles verändert. Mit einer angeblich verstauchten Pfote habe ich dich vom Züchter erhalten, nur um dich wenige Tage später in die Klinik zu bringen um dein gebrochenes Bein schienen zu lassen. Du warst erst wenige Tage bei mir und der Abschied, dich über Nacht in der Klinik lassen zu müssen, hat mir fast das Mutterherz zerbrochen. Nie vergesse ich dein Quieken, als du mich am nächsten Tag erkannt hast und zu mir in den Arm gekrabbelt bist.

Plötzlich hatte ich eine Menge Verantwortung für dich, mein Hundekind. Deine großen Augen, wenn wir schon wieder zum Tierarzt mussten, weil der Verband gewechselt wurde. Zum Tierarzt, weil die Wunde schlecht heilen wollte und du ein Talent dafür hattest, den Verband abzuknabbern, nachdem du dich von der Halskrause befreit hattest.

Ein halbes Jahr später verbrachtest du deinen ersten Urlaub mit mir an der Nordsee. Du als kleines Hundekind im 4-Sterne-Hotel und am Abend im feinen Restaurant, als du nichts besseres zu tun hattest, als allein auf Entdeckungstour zu gehen und den Tischnachbarn einen riesen Schrecken einzujagen, als du unter deren Tisch gekrabbelt bist.


Du warst immer bei mir und hast mir mein Leben versüßt. Doch nicht nur meines. Du warst der Liebling meines Papas. Sein großer, wuseliger Schatz. Als klar war, dass er den Kampf gegen den Krebs verlieren würde, hast du mich bis zum letzten Tag ins Pflegeheim begleitet. Hast seine Hand geschleckt und dich mit den Vorderpfoten auf seine Bettkante gestellt, damit er dir noch einmal über den Kopf streicheln kann. 1 1/2 Wochen lang warst du treu mit mir an seiner Seite, bis er in meinen Armen einschlief.

Du warst immer für mich da. Hast vor mir gesessen wenn es mir schlecht ging, hast gefiept, wenn bei mir die Tränen liefen. Hast wedelnd vor mir herum getänzelt, wenn ich mich über etwas gefreut habe. Hast dich vertrauensvoll in meine Arme begeben, als ich dir in der Nordsee das Schwimmen beigebracht habe – mittlerweile kannst du es alleine und liebst es. Du hast mit mir gekämpft, als wir in Kroatien den Berg Ucka hochgekraxelt sind und Stunden später müde und erschöpft von Auf- und Abstieg ins Bett gefallen sind. Du hast mir mit über den Wolken gestanden und den Ausblick zu etwas besonderem gemacht.

Du hast unzählige Stunden auf der Rückbank meines Autos gesessen, geschlafen und dich hin und wieder übergeben, wenn du mal wieder zu viel Salzwasser beim Baden getrunken hast. Und du hast viel Salzwasser getrunken in deinem Leben, ..dein Talent zu Tauchen ist übrigens unschlagbar und du müsstest deine Schnorchelgeräusche hören, wenn du mal wieder mit der Schnauze nach einem Stein unter Wasser suchst…

Du hast mit mir für ein halbes Jahr in einem kleinen WG-Zimmer mit Balkon gehaust und dir mit mir meine Schlafcouch geteilt. Du hast auf dem Balkon gesessen wenn ich von der Arbeit nach Hause kam und mir gezeigt, wie toll sich dein Futter auf meinem Bett macht. Du hast mir aber auch gezeigt, wie viel Tonnen Sand sich in deinem Fell verankern können und ja, du hättest es auf andere Weise loswerden können als in der weißen Bettwäsche vom Hotelzimmer.


Du bist mit mir unzählige Kilometer durchs Leben spaziert und bist stets an meiner Seite geblieben.

Im letzten Jahr kam dann die Diagnose vom Tierarzt. Arthrose. Schmerzmittel brachten keine Linderung und es blieb nur die OP. Femurkopfresektion beim Hund – der Kopf des Oberschenkelknochens musste entfernt werden. Wieder unzählige Fahrten in die Klinik, Röntgen, Wiegen, Besprechungen und dann die OP. Als du in meinen Armen in Vollnarkose gelegt wurdest, hatte ich Angst das falsche zu tun. Etwa ein Jahr würde die Regeneration dauern. Ob ich dir das wirklich zumuten wollte? Als ich wenige Stunden später zu dir in den Aufwachraum durfte, blutete mein Herz endgültig. Du lagst da auf dem weichen Kissen, mit einer hellblauen Decke zugedeckt und hingst am Tropf. In dem Moment, als du langsam wach wurdest und anfingst zu Fiepen, brachen alle Dämme. Ich hatte so Angst das falsche getan zu haben. Eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, mit der du nun leben musstest.


Vier Wochen musstest du dich mit der Halskrause herumärgern. Vier Wochen bist du mit dieser an allen Türrahmen hängen geblieben, hast dich einmal im Sand festgegraben als du schnüffeln wolltest und ständig dein Spielzeug „auf die Schaufel“ genommen. Es dauerte fast 2 1/2 Monate, bis du wieder auf 4 Pfoten durchs Leben getobt bist – und es dauerte genauso lange zu begreifen, dass ich alles richtig gemacht hatte. Seitdem bist du schmerzfrei und kannst dein Hundeleben in vollen Zügen genießen. Buddelst Steine aus dem Boden, kämpfst mit Schnee und wann immer es dir möglich ist, bist du am Schwimmen. Einen Urlaub ohne dich kann ich mir schon gar nicht mehr vorstellen. Tagsüber im Meer toben und dich abends die Treppe hoch ins Gästehaus tragen, weil du vor lauter Toben und Schwimmen Muskelkater hast.

Am Morgen dein Quitschen, wenn du merkst dass ich wach werde und dein verzweifelter Versuch mir dein Stofftier ins Gesicht zu drücken, damit ich auch ja aufstehe. Deine tollpatschige Art, wenn du mal wieder auf dem Boden entlang rutschst oder die Kurve nicht kriegst. Dein Talent, dein Futter aus dem Napf zu schleudern, wenn du versuchst, es mit der Nase in „Trockenübung“ einzubuddeln.

Meine Hexe, du begleitest mich nun schon seit 7 Jahren durchs Leben und ich bin unglaublich dankbar für jeden Tag, den ich dich an meiner Seite habe.

Ich liebe dich mein kleines Hundekind und freue mich auf viele weitere gemeinsame Jahre mit dir.

Alles Liebe, deine Hundemama


P.S. Und deine weißen Sprenkler vom Salzwasser auf der Nase erinnern mich jeden Tag aufs Neue an unseren Urlaub in Kroatien…und wie unglaublich schön es mit dir dort war!

P.P.S. Es tut mir leid, dass seitdem auch deine Beine weiß/grau sind…ich wusste nicht, dass eine Woche Urlaub mit täglichem Baden im Salzwasser so die Farbe aus dem Fell zieht^^

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