Kreatives Chaos – so entstand mein Buch

Den Jungs den Kopf verdrehen. Geheimnisvoll sein. Andere zum Lachen bringen. Der Fels in der Brandung. Die, mit der man Pferde stehlen kann.

Manchmal hat man Gedanken im Kopf, die einfach nur chaotisch sind. Die so gar nichts aussagen und doch so viel bedeuten können.

So ging es mir, als ich an meinem Buch schrieb. Der Grundgedanke? Der Plot? Die Richtung, in der die Story sich entwickeln sollte? Gab es nicht! Ich wusste beim ersten Wort noch nicht, wie sich die Szene entwickeln würde, was passieren sollte und wie das ganze endete. Meine Gedanken, meine Kreativität und mein Unterbewusstsein überraschten mich bei jedem Absatz aufs Neue – und ich ließ mich fallen. Tauchte in eine Geschichte ein, die ich beim Tippen selbst erst erschuf. Ohne Plan. Ohne Seil und doppelten Boden. Wie viel Charaktere würde es geben und wie standen diese im Verhältnis zueinander? Wo spielen sich die Szenen ab und in welcher Reihenfolge?

Der Spaß steht an erster Stelle – und kreatives Chaos

Ein Buch zu schreiben, von dem ich selber nicht wusste wie es begann und wie es enden sollte – ich hatte tierisch viel Spaß dabei. Kam ich in den Konflikt, dass mir nichts für die Szene einfallen wollte, musste Musik das ganze richten. Ich verlor mich in den Szenen, schrieb vieles wieder um, korrigierte und verbesserte. Manchmal saß ich ewig nur da, malte mir die Szene vor meinem inneren Auge aus, schrieb etwas nieder, fand es wieder doof, lauschte erneut der Musik und fing wieder an zu schreiben. Immer und immer wieder.

Am Ende hatte ich Texte. Zu viel Texte auf unterschiedlichen Dokumenten. Viel zu viel Texte und Passagen mit dem Editor geschrieben, denn ich liebe diese cleane Oberfläche zum Schreiben so sehr viel mehr als die eines Word-Dokumentes und auch meine Blogbeiträge entstehen alle ausnahmslos auf dem Editor. Einige Passagen entstanden jedoch auch der Ordnung halber auf einem Word-Dokument. Dem Dokument, dass erst zum Schluss den Namen „Manuskript“ verdient hatte. Ich fügte Texte und Szenen hinzu, zerschrieb einzelne Passagen wieder und bastelte meine Geschichte so lange zusammen, bis sie stimmig war. Zumindest inhaltlich.

Aus Fehlern lernt man…

Das ich einen großen Fehler gemacht hatte, wurde mir erst viel zu spät bewusst. Unterschiedliche Dateien bedeuten unterschiedliche Formatierungen…
Mal waren die Anführungszeichen oben, mal unten. Zeilen waren verschoben oder im Überfluss vorhanden. Da ein Manuskript für einen Verlag auch eine gewisse Formatierung haben muss, bedeutete dies für mich: viele unnötige Stunden Bastelarbeit. Satz für Satz neu lesen und ggf. korrekt formatieren. Anführungstriche vereinheitlichen, bestimmte Passagen in Kursiv setzen, andere umstellen. Mal sprach ich meine Leser mit „Du“ an, mal mit „Sie“ – der böse Nachteil, wenn man etwas schreibt und sich vorher keine Gedanken macht, in welche Richtung sich das ganze entwickeln soll. Wenn man sich keine Gedanken dazu macht, wie das ganz grobe Gerüst aussieht, auf dem man die Story aufbaut.

Ich stellte fest (und auch später die Lektorin), dass sich gewisse Gedanken wiederholten, Passagen wieder gestrichen oder umgeschrieben werden mussten. Naja, und eine Kolumne die im Buch auftauchen sollte, wurde letztendlich ganz entfernt. Die Bedenken seitens des Verlages (und ich kann es ja irgendwie nachvollziehen), dass ich mit diesem einen Text so manch einer Fashionista auf die Füße trete, war nicht ganz unbegründet. Aber viele von euch lesen meinen Blog nicht erst seit gestern um zu wissen, dass ich manchmal meine Zunge nicht so ganz hüten kann und gern die Fashion- und Bloggerwelt auf die Schippe nehme…vielleicht nicht ganz so verkaufsfördernd für einen Fashion-Roman^^

Letztendlich habe ich für mich gelernt, dass das pure Schreiben Balsam für meine Seele war. Ich mich vollkommen in den Szenen verloren und mit meinen Charakteren mitgefühlt habe. Ich dabei abschalten und einfach nur genießen konnte, während meine Hauptfigur auf hohen Hacken durchs Leben stolziert ist und die Antwort auf die Frage, wie man so einen Bestseller als Fashionista richtig schreibt, viel wichtiger war.

Sag niemals nie…

Ich habe eine Menge gelernt, vor allem, dass mir diese Leichtigkeit und Freiheit beim Schreiben die größte Freude bereitet hat. Habe das Recherchieren genossen, weil es einfach „meine“ Themen waren. Weil das Buch das wiederspiegelt, was mich zum Teil selbst köstlich amüsiert hat. Wo schreiben berühmte Autoren ihre Werke und was machen die, wenn das Geschirr noch gespült werden muss?

Sollte ich nochmals ein Buch schreiben (und ja, ich halte das gar nicht für ausgeschlossen, weil ich so viel Spaß dabei hatte^^), würde ich nur einen Punkt anders machen

  • eine klare Formatierung in einer einzigen Datei

Mehr nicht. Das Treiben lassen, dieses „Gedanken und Szenen einfach entstehen lassen“ ist das, was für mich die kreative Freiheit und den unendlichen Spaß bedeutet. Sich nichts vorschreiben lassen. Wer weiß ob ich morgen die Idee von heute noch gut finde? Wer weiß, ob sich meine Charaktere morgen verkrachen, weil ich schlechte Laune habe? Wie soll ich da einen Plot schreiben, wenn ich am Anfang noch gar keine Ahnung habe, ob meine Hauptfigur sich im Laufe der Geschichte verliebt? Oder anfängt Sport zu treiben?

Kreatives Chaos. Das ist die beste Bezeichnung für das, was in meinem Kopf vorgeht, wenn ich am Schreiben bin. Daher drücke ich den „Publizieren-Button“, bevor ich es mir anders überlege und diesen Text hier später vielleicht schon wieder blöd finde…

…man weiß schließlich nie so genau, welcher Gedanke einem als nächstes in den Sinn kommt^^

6 Comments

  • Lila 7. April 2016 at 6:21 pm

    Das hätten auch meine Worte sein können ^^ Meine Bücher entstehen ähnlich chaotisch und ungeplant. Von versehentlichen Wiederholungen kann ich ein Liedchen singen. Ich habe beim letzten Band gut 50 (!) Seiten gestrichen. Meine schlimmsten Fehler entstehen meistens während der Korrekturen. Da werden Satzteile gestriche und vergessen… ode ich streiche Sätze, die dann dazu führen, dass sich die Satzanfänge wiederholen, die vorher 4-5 Sätze voneinander getrennt waren. Merke dir: Korrigiere nie, wenn du halb am schlafen bist… Schwierig für jemanden, der überwiegend Abends und Nachts schreibt.

    Ich schreibe meine E-Mails alle mit dem Editor vor. Zum Schreiben von Büchern ist mir das zu viel unübersichtlicher Buchstabensalat… Da schreibe ich seit Jahren mit Word und hab eine eigene Vorlage gebastelt, die relativ clean und gut auf dem Bildschirm zu lesen ist. Die entspricht übrigens in etwa einem gedruckten Buch 😀 Außerdem hab ich mir ein paar Kürzel für gewisse typographische Zeichen eingerichtet, damit ich nicht stundenlang suchen muss, wo das Hochkomma und der Gedankenstrich ist.

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    • FashionqueensDiary 7. April 2016 at 7:20 pm

      Da ich auch überwiegend abends (oder am Wochenende früh morgens^^) schreibe, kenne ich das Problem mit dem müde sein nur zu gut 🙂
      Die „Vorlage“ für eine Seite wie sie vom Verlag gefordert wird, hätte ich mir besser vorher gemacht, aber zu spät…man lernt bekanntlich nie aus

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      • Lila 7. April 2016 at 8:59 pm

        Vermutlich hat jeder Verlag seine eigene Musterseite. Ich arbeite sowohl bei OOo wie bei Word mit Stilen. Dann kannst du dein Buch auch nachträglich in 5-10 Minuten umformatieren. Du musst dann nur noch ein paar Absätze manuell anpassen, wo du mal nen manuellen umbruch gesetzt hast, weils schöner aussah oder so.

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  • Chillkröte 9. April 2016 at 7:47 pm

    Ha, so ging es mir auch. Allerdings war ich noch erheblich planloser, denn ich wusste die ganze Zeit während des Schreibens eigentlich nicht, dass ich ein Buch schreibe… Es war einfach eine Geschichte, an der zu schreiben ich nicht mehr aufhören konnte. Mein damaliger Deutschprofessor sagte dann „Mensch, mach’n Buch draus!“, sonst würde die Story noch auf meinem PC rumgammeln und die einzelnen Seiten in der Schublade…

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    • FashionqueensDiary 9. April 2016 at 9:56 pm

      Das ist natürlich auch mal was 😀 Aber ich finde es toll, dass ausgerechnet dein Professor „Schuld“ daran ist, wer weiß, was sonst so für Pläne und Ziele für dich entstanden wären, wenn du es nicht veröffentlicht hättest 😉

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  • dorie 11. April 2016 at 3:00 pm

    Finde ich toll, ich könnte das nicht, glaube ich. Ich habe schon oft begonnen mal was zu schreiben, ganz ohne Konzept und habe mich dann irgendwo hoffnungslos verannt, bis mir die Ideen ausgegangen sind. Also wirklich toll, dass bei dir das anscheinend so gut klappt 🙂
    LG!

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