Kolumne: Time out – warum Bremsen nur etwas für Schwache ist

Eine Auszeit vom Alltag. Von der Arbeit. Von der vermeindlichen Produktivität, die letztendlich keine ist. Vom Gedanken, dass durchpowern sinnvoll sein könnte und es doch meist nicht ist. Abschalten, entspannen und die Füße hochlegen? Später! Weiter machen. Nur noch 10 Minuten. Noch eine Stunde. Nur eben diese eine Aufgabe erledigen. Wir Frauen sind so. Pause? Keine Zeit! „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“, unser Credo.

Wenn Frauen eine Kolumne schreiben, merken sie oft gar nicht, dass sie manchmal einen Punkt erreichen, an dem sie nur noch „cut“ rufen sollten. Time out und vorbei.

Dass eine Auszeit manchmal produktiver ist, wird gern übersehen. Das volle Potential ausschöpfen, auch wenn der Akku längst bei 10% angelangt ist – wir Frauen haben da ein Talent für.

Ist die Tanknadel beim Auto bereits im roten Bereich, wird wieder aufgetankt – aber bei uns? Wir fahren am Limit, mit dem letzten Tropfen Sprit wenn es sein muss und wundern uns, wenn wir plötzlich liegen bleiben. Kein kreativer Gedanke mehr einfallen will und das Handgelenk bereits schmerzt vom vielen Tippen.
Wenn die dunklen Schatten unter den Augen nicht das Ergebnis eines halbherzigen Abschminkversuches sind und nur noch mit viel Concealer wegretuschiert werden können.

Wir gehen regelmäßig mit dem Auto zum TÜV – Rundumcheck, eine Selbstverständlichkeit. Bei einer langen Autofahrt gehört die Pause selbstverständlich ebenfalls dazu. Zum Beine ausstrecken, zum Lockern, zum Entspannen. Keine Pause würde Unkonzentriertheit am Lenkrad, und im schlimmsten Fall, einen Unfall bedeuten. Mit dem Auto fahren kennen wir uns aus.

Aber im normalen Alltag? Da sind wir auf der Überholspur – mit durchgedrücktem Gaspedal. Bremsen? Nur etwas für Schwache.

Umdenken, dass ist es, was wir Frauen tun sollten. Wie beim Autofahren. Pausen einlegen. Den Kopf ausschalten, um nach einer Erholungszeit wieder voll konzentriert und mit 100 % voll geladenem Akku arbeiten zu können. Einfach mal „Time out“ sagen. Es ist gar nicht so schwer, wenn man sich nur traut 😉

7 Comments

  • Da sagst Du was! Bei mir war das ein langer Prozess, bis ich mal begriffen habe, dass kleine Auszeiten oft mehr bewirken als im steten Trott so weiterzumachen. Ich denke auch, dass das ein ganz typisches Frauenproblem ist. Mit den Jahren bin ich da entspannter und vor allem auch gelassener geworden. Ich muss auch nicht mehr Perfektionismus anstreben, den es sowieso nicht gibt. Aber dieser selbst auferlegte Druck, den man sich oft macht, dieses Funktionierenmüssen um jeden Preis, da mache ich schon länger nicht mehr mit. Ich hoffe immer, dass früher oder später alle dahinter kommen, denn auf Dauer ist das alles andere als gesund, immer auf der Überholspur zu fahren. In meinem Freundeskreis häufen sich seit einer Weile Burn Outs und erste Krankheiten, die eindeutig darauf zurück zu führen sind, dass man sich einfach nicht mal bissel zurückzieht. Schade und schlimm zugleich. Wünsche Dir noch eine gute Restwoche und liebe Grüße!

    • Und dennoch ist es verdammt schwer, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Ich selber muss mich phasenweise wirklich dazu zwingen (spätestens, wenn sich wieder eine Sehnenscheidenentzündung ankündigt^^). Ich glaube, es ist ein langer Lernprozess, aber wenn die Einsicht schon einmal da ist, ist das ein guter Anfang – denke ich zumindest 😉
      Dir auch eine schöne Woche, danke!!!

  • … wenn das nur so einfach wäre. Den eigenen Freizeitstress durch Perfektionismus und Tatendrang kriegt man damit gut in den Griff – Den beruflichen und universitären Stress leider nicht. Wenn es da drückt, schränkt man seine Hobbys ein und dann geht’s einem noch bes….eidener. Ich wünschte, manch Arbeitgeber wäre nicht so sehr auf den perfekten Lebenslauf, die besten Noten und auf übermotivierte Arbeitsmoral erpicht. Du wirst ja quasi damit erzogen überall tüchtig, fleißig, der beste, klugste, tollste und schönste zu sein. Kein Wunder, dass das manche Menschen mit in ihre Freizeit nehmen. Egal wo du schaust nur erfolgreiche, vitale, junge Menschen, die ihr Geld verschwenden. Wie kaputt die Gesellschaft wirklich ist, wird mir jeden Tag auf Facebook klar.

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