Hashtag Bloggerlife…

Bloggerlife

Hashtag Bloggerlife. Eine kleine, nicht ernst gemeinte Geschichte, von der ich mich aus unzähligen Blogbeiträgen habe inspirieren lassen… Nicht so ernst nehmen, schmunzeln und vielleicht ergänzen? Viel Spaß euch beim Lesen!


Hashtag Bloggerlife

Wie oft hatte sie den Hashtag Bloggerlife schon unter ihre Bilder gesetzt? Viel zu oft für ihren Geschmack. Aber wie viel ist der Fame wirklich wert? Tausende Follower auf Instagram, Twitter und dem Blog, aber wie sieht es aus, wenn der Laptop geschlossen ist? Die Außenwelt plötzlich nichts mehr von ihr sieht? Wie sieht sie aus, wenn keine Kamera auf sie gerichtet ist und kein neuer Traffic generiert wurde? Wie viele interessieren sich in der realen Welt für sie? Die Zahl ist erschreckend klein.
Sie sitzt auf ihrem Bürostuhl vor ihrem Schreibtisch. Der Stuhl ist weiß und hat irgendwas um die 300 Euro gekostet. Weiß macht sich aber gut auf den Bildern und da sie mit der Firma schon einmal kooperiert hat, konnte sie ihn gut in dem Beitrag unterbringen. Der Schreibtisch? So ein schicker weißer Tisch mit Holzplatte von ebay. Auch er war teuer, sieht aber klasse aus und… ja, auch macht er sich gut als Unterlage für kleine Produkt-Shoots. Das Notebook ist von Apple. Logisch. Wer so viel Fame hat und sich dabei nicht mit einem Apple sichten lässt – funktioniert einfach nicht. Einem Fußballer würde man sein Können ohne Fußballschuhe auch nicht abnehmen.


Wenn ein Like das eigene Leben definiert

Ihr Blick fällt auf ihr Handy. Ein neuer Like für ihr letztes Bild. War es nur ein schneller Klick oder hat sich diese Person ernsthaft mit dem Bild auseinander gesetzt? Wie viel ist so ein Klick wert? Anfangs hatte sie sich noch über jeden Like gefreut. Ein neuer Follower hatte ihr ein Lächeln entlockt. Die Kommentare auf dem Blog? Teils wirklich sehr lieb, sehr aufmunternd – und manche nichts als Linkschleudern.
Heute morgen hatte sie einen neuen Blogbeitrag veröffentlicht. Die „Gespräche“ online unter diesem Post waren von der Anzahl her mehr gewesen als die, die sie in Real geführt hatte an diesem Tag. Natürlich hatte sie Freunde. Natürlich gab es eine Familie. Aber die Zeit füreinander fehlte einfach manchmal. Die Freunde hatten alle einen Vollzeit-Job oder steckten noch im Studium. Die Familie war zu weit weg, um mal eben nach Hause fahren zu können. Und so saß sie in dieser hippen Stadt, die ihr den Karrieresprung ein wenig mit ermöglicht hatte. Coole Locations, viele tolle Fotografen und einige Agenturen. Bei den Press Days einiger Marken war sie direkt vor Ort und konnte sich hier mit ihren unechten Freunden einen schönen Tag machen. Nicht alle waren unecht, aber doch einige. Aber ein Lächeln und ein gemeinsames Selfie konnten den eigenen Account nochmals pushen und so belog man sich einfach gegenseitig – hatten ja schließlich beide was davon, egal wie sehr man sich mochte – oder eben auch nicht.


Kooperationen – mehr Schein als Sein

Es war bereits nach 21 Uhr als sie aufstand und sich vor den Fernseher setzte. Die Serien liefen bereits, aber wofür gab es Netflix? Sie kuschelte sich in die Decke auf der Couch, nachdem sie sich noch einen Roiboos-Tee gemacht hatte. Den Matcha Tee im Regal hatte sie ignoriert. Sie mochte den Geschmack so gar nicht, aber die Kooperation hatte sich finanziell gelohnt und dann kann man schon einmal eine Tasse aufbrühen und Fotos machen bis dieser kalt war. Sie kam sich manchmal selbst arg verlogen vor, aber die Miete musste schließlich bezahlt werden, die Rechnungen wurden auch von keinem übernommen und so strahlt man schon mal, wenn man lieber die Mundwinkel nach unten ziehen möchte.


Bloggerlife – teuer, macht sich aber gut auf dem Bild

Als sie am nächsten Morgen wach wurde, war es schon hell. Ihr Blick galt zuerst dem Handy. Instagram, Facebook… alles musste gecheckt werden. Gab es neue Likes? Neue Follower? Neuigkeiten, die man als Blogger wissen musste? Als sie sich später aus dem Bett quälte, fiel ihr Blick auf den Berg an Wäsche. Sie wusste schon, warum sie manche Ecken ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung niemals fotografierte. Und selbst die Ecken, die später auf Insta geteilt wurden, wurden dem Shoot wegen nochmals ein wenig umgeräumt, aufgehübscht und (wenn möglich) mit Kooperations-Gegenständen aufgehübscht.
Sie hatte Hunger. Nach der Dusche zog sie sich an, legte Make-up auf und ging zu Starbucks. Durchaus ein teurer Spaß wenn man regelmäßig dort aufschlägt, aber warum auch immer: dieser blöde Becher machte sich einfach gut als Accessoire und wurde von den Followern wie blöd gelikt, vor allem, wenn auf dem Bild noch ein wenig vom eigenen Outfit zu sehen war.


Inspirationen aus dem täglichen Leben…

Sie war in ihren Gedanken versunken und hatte ihn einfach übersehen, was sie feststellte, als sie in ihn hineinrannte. Er drehte sich zu ihr um und sie stammelte ein „Sorry!“, welches in einem Flüstern unterging, als sie in seine Augen sah. Sie waren Blau-Grau und sahen sie leicht verwirrt an. „Nichts passiert!“, sagte er, drehte sich von ihr weg und ging an ihr vorbei. Erst als sie ihm nachsah, bemerkte sie die Frau an seiner Seite. So war es doch immer. Wenn die Augen sie in den Bann zogen, gehörten die Blicke aus diesen Augen bereits einer anderen. Aber wieder mal ein Moment, der sich in einer der Kolumnen gut unterbringen und entsprechend ausschmücken ließ.

Das Bloggerlife ließ sich eben gut vermarkten – man musste nur die richtigen Worte und Bilder dafür finden…


Lies weiter bei Teil 2 und Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6!

 

38 Comments

  • Sehr schön geschrieben. Ich warte auf Teil 2. Meinetwegen auch Teil 3, 4 und 5. Jeweils mit anderen Hashtags 🙂 Schließlich hast du hier gerade 90% aller Gedanken die ich je zum Thema Snapchat, Instagramm, Bloggen und Vloggen hatte anspricht. egal ob es die 2 Zimmerwohnung ist wo man immer nur den Schreibtisch mit dem Apple Laptop drauf und nem Lippenstift von YSL oder nem Essie Lack sieht und nie die anderen Räume. Oft mit dem zusatz „ich will meine privatsphäre schützen“, wobei das für mich einfach immer nach „ich habe nicht aufgeräumt“ klingt.
    Genau wie der Starbucksbecher, der Salat von irgendeiner stylischen Neuen Bar, dem alle 2 Tage bestellten Sushi Teller oder die Nudeln von Vapiano. Natürlich muss dann auch Teilweise etwas als Realtalk verpackt werden wo dann die Erkältung von letzter Woche als Weltuntergang dargestellt wird.
    Das alles immer gespickt mit Hashtags wie #sportygirl, #healthygirl, #goodmood #lovemyjob, #dancingintherain #deananddavid usw usw die einfach immer nach Copypaste klingen. Unter einem Becher von Starbucks würde ich niemals den Hashtag Deananddavid setzen -.-
    Wobei bloggerlife mich weniger anlacht. Tatsächlich immer sowas.

    Ich stelle das gerade alles negativ dar oder? Vielleicht bin ich ja auch einfach nur neidisch. Denn ich kann mir nicht jeden Tag starbucks leisten 😀

  • Super toller Artikel. Er spiegelt durchaus die Realtität des Bloggerlifes wieder. 🙂
    Aber super sympathisch geschrieben, ich musste zwischendurch wirklich schmunzeln.
    Und Teil 2 wäre cool. 😉
    Liebe Grüße,
    Julia

  • ganz toller text! ich habe mir das leben als blogger/in zwar schon schwierig und etwas scheinheilig vorgestellt, aber dein kleiner text öffnet auch ein wenig die augen… schön, dass du in form einer geschichte auch mal die negativen seiten deines daseins beleuchtest. ich würde wirklich gerne mehr davon hören, weil ich grd im urlaub supi viel zeit zum lesen habe 😛
    LG aus dem familienhotel italien
    Claudia

    • Stop, Stop, Stop!!! Das ist NICHT MEIN DASEIN!!! War doch nur eine erfundene Story 😀 Dir noch einen schönen Urlaub und schick mal ein paar warme Sonnenstrahlen zu uns nach Deutschland! LG

  • Ich liebe solche zynische Posts ja – Da kann es von mir aus 1000 geben 😉
    Ich finds aber traurig dass viele Personen viel mehr online als offline-Bekanntschaften habe. Bei mir hält sich das zum Glück die Waage. Der lebendige und konstruktive Austausch auf dem Blog ist mir viel wichtiger als ein schnödes Like oder eine Linkschleuder. Leider sehen das viele anders.

    • Zynisch? Ich? Niiiiiieeeeee 😀 Ich liebe diesen Austausch auch so sehr und es macht einfach nur mega viel Spaß!!! Ich habe das Gefühl, dass es in den nächsten Jahren aber immer mehr zunehmen wird. Mal ehrlich: wenn ich bei Freunden mitbekomme wie viele Leute sie auf Facebook kennen (noch boykottiere ich es ja^^), dann denke ich mir auch immer: wie kann man mit mehreren hundert Leuten in Real befreundet sein? Habe ich was verpasst??? Natürlich sind auch virtuelle Freundchaften und der Austausch untereinander was wunderbares, aber ein persönliches Gespräch sollte man doch immer einem virtuellen vorziehen…. Dir ein schönes Wochenende!

      • Ich hab rund 200 „Freunde“ auf Facebook. Es sind 90% Leute, die ich privat kenne und 10% „geschäftlich“ und Internetfreunde. Wenn meine Hobbies nicht wären, hätte ich auch nie einen Account aufgemacht, weil mir die Plattform aufn Geist geht. Wer mir was zu sagen hat, soll mir mailen und dann maile ich auch gerne ganze Romane zurück. Ergo nehme ich die Seite nicht ernst, poste auch so gut wie nie etwas, weil ich meine wahren Freunde lieber auf anderen Wegen kontaktieren. Ich like auch so gut wie keine Kommentare oder Posts, ganz egal wie sinnvoll oder sinnlos. Ich muss mir häufig so Sprüche anhören à la: „Wieso postest du nichts? Ist dein Leben langweilig?“ – Aber nein, ich sehe es nicht ein, das Internet mit meinem Privatleben zuzuspammen… Ich schieß mir doch nur selbst ins Knie, wenn ich von ner Hammer-Party bis 4h nachts erzähle, mich öffentlich beschwere oder Katzenbilder like… Das mach ich lieber in kleinerer Runde ^^ Selbst, wenn ich nur neutrale DInge äußere, wirft man mir häufig vor, dass ich rumprahle. Also halte ich die Klappe und freu mich wenn jemand zufällig darüber stolpert, dass mein Leben nicht ganz so langweilig ist 🙂
        Ich wünsche dir auch ein schönes WE 🙂

  • Grandios! Ich warte sehnsüchtig auf Teil 2 😉

    Weißt du was – so stelle ich es mir vor, wenn man beim Bloggen auf die falsche Schiene geraten ist… genau so, wie du das beschreibst. Denn eigentlich bin ich doch sehr glücklich mit meinen hässlichen Möbeln, auch wenn die Fotos dann eben nicht sooo super aussehen – und billiger Pfefferminztee reicht mich auch, weil Matcha mir zu teuer ist (und wer weiß, ob es mir überhaupt schmeckt?). Sich nicht verstellen zu müssen, ist doch irgendwie schöner als das #Bloggerlife 😀

    Liebe Grüße

  • Jaa, gerne, mehr! Schön geschrieben. Diese Klischees, da kann manndoch bestimmt noch ein paar Gedankenanstöße mit gestalten. Ist die Realität wirklich so oberflächlich? Ich fürchte, in gewissem Maße ja…
    Ich stelle jedenfalls schon seit fürchterlich langer Zeit fest, dass nochtssagende, generische Bilder bzw Produkte mehr Zuspruch/ likes bekommen, bei den sozialen Tummelplätzen und auch im richtigen Leben. Irgendwie Nummer sicher, ohne involvement.

    Sich zu einer anderen Person zu stilisieren ist aber häufiger als man denkt… glaube ich. Nur wenn es nicht so extrem ist, wird es nicht bemerkt.

    Liebe Grüße,
    Moni
    @fingertip_gallery :-))

    • … vergessen… geht das mit den nichtssagenden bildern etc. anderen auch so? Dann denke ich immer, dass meine Sachen ja vielleicht einfach nicht gefallen…

      Sorry für die Rechtverschreibungen oben!

  • Ich finde den Text fantastisch! Du hast das so gut schrieben und ich kann mir tatsächlich vorstellen, dass es bei einigen Bloggern wirklich so aussieht – eigentlich auch schon ein bisschen traurig. Ich würde mich total über einen zweiten Teil freuen 🙂

    Liebe Grüße

    http://nilooorac.com/

  • Pingback: Diary of the las weeks - Hashtag Bloggerlife
  • Super geschrieben! Habe mich sehr beim Lesen amuesiert und der Beitrag regt auch irgendwie zum Nachdenken an. Klar, wenn man selbst die Chance haette, Geld zu bekommen um Produkte (die einem zum Teil wirklich gefallen und die man evtl. auch kaufen wuerde) auf dem Blog / Instagram zu vermarkten, wuerden die wenigsten Nein sagen, aber sich selbst dann quasi so zu verkaufen und Dinge lobpreisen, die man ueberhaupt nicht mag oder hinter denen man nicht steht, weil man finanziell darauf angewiesen ist finde ich schon mehr als traurig und bitter. Da bin ich doch sehr gluecklich mit meinem „normalo“ Buero Vollzeit Job und meinem Mini Blog als Hobby. Freue mich auf die anderen Teile der Reihe, werde ich mir jetzt auch alle noch durchlesen 🙂 LG Jennifer von https://fashionistasfairytale.blogspot.de/

    • Lieben Dank dir! Freut mich, dass du den Grundgedanken dahinter nachvollziehen kannst und vor allem glücklich bist mit dem, was du tust – ohne dabei dich als Mensch verstellen zu müssen 🙂

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