Hashtag Bloggerlife Teil 2

Hashtag Bloggerlife

Mit dem Starbucks Becher in der Hand öffnete sie die Wohnungstür, stellte ihre Tasche ab und war gerade auf dem Weg in die Küche, als es an der Tür klingelte. Der Postbote. Zwei Päckchen und ein paar Briefe wurden ihr entgegen gestreckt und ein kurzer Blick auf die Absender genügte ihr fürs Erste. Nichts wirklich Spannendes, das konnte warten und das Auspacken wurde am späten Nachmittag in ein Unboxing-Video umgewandelt – wieder ein neuer Beitrag. Läuft also.

Der Marmor-Effekt

Sie holte sich eine Schüssel, füllte Joghurt hinein und drapierte anschließend auf diesem ein paar Beeren, die sie gestern Abend aus der Tiefkühltruhe zum Auftauen geholt hatte. Ein paar Chiasamen obendrauf und die Schüssel auf die Holzplatte gestellt, die sie mit einer Folie mit Marmor-Muster überzogen hatte. Sie fragte sich manchmal, wie der Hype um dieses Marmor-Muster eigentlich entstanden war. Klar machte es sich wegen der hellen Optik gut auf den Bildern, aber in Wahrheit war es nichts außer Angeben. So tun, als hätte man wirklich einen Marmortisch daheim – als Blogger war man ja angeblich reich und konnte sich alles leisten… zumindest nach den Meinungen im World Wide Web. Neben die Schüssel legte sie den goldenen und geschwungenen Löffel, den sie auf dem Flohmarkt gefunden hatte. Sie aß zwar nie mit ihm, aber auf Fotos machte er sich echt gut.

Während sie aß, lud sie das Bild nach ein paar Bearbeitungen durch verschiedene Apps auf Instagram hoch und setzte einen Hashtag nach dem anderen. Auch erledigt!

Den Rest des Vormittages widmete sie sich dem Schreiben. Neue Blopost´s mussten vorbereitet werden, es gab noch Bilder zu bearbeiten, E-Mail Anfragen und zwischendurch immer mal wieder einen Blick in Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat.

Der Look für den Laufsteg – nicht die Straße

Am Nachmittag widmete sie sich dann den Paketen. Sie stellte die Kamera auf und ließ diese laufen, während sie die Päckchen öffnete. Das erste Päckchen enthielt ein paar Beautyprodukte einer Drogeriemarke und weckte ihr Interesse nicht wirklich. Sie hatte so viel Beautykram daheim, dass sie theoretisch selbst nie wieder Lippenstifte, Nagellack oder Cremes kaufen müsste. Im zweiten Päckchen lag ein Pullover einer teuren Modemarke. Weder das Muster noch der Schnitt sagten ihr wirklich zu, aber auf Fotos kam er bestimmt cool rüber. Außerdem konnte sie ihn ja in wenigen Wochen verkaufen und Geld damit verdienen. Ihre Miete zahlte sich schließlich nicht vom Nichtstun.

Überhaupt fragte sie sich oft, wer denn wirklich die vielen Outfits so cool fand. Die meisten Schnitte und Formen sahen echt nur auf dem Laufsteg gut aus – in der Realität auf der Straße wurde sie auf dem Weg zur Shooting-Location nicht selten ein wenig komisch angesehen. Aber es gehörte dazu – zum Bloggen, zum Geld verdienen und zum Hashtag #Bloggerlife.

Hier geht es zu Teil 1

Und hier findest du Teil 3

23 Comments

  • Lila 1. November 2016 at 2:06 pm

    Autsch…! Da ist aber schon wahres dran, dass viele Leute den Großteil ihrer Goodies verkaufen…

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    • Sonja 1. November 2016 at 4:21 pm

      Deswegen wollte ich es auch unbedingt mit aufnehmen 😉

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  • shadownlight 1. November 2016 at 4:49 pm

    Hey, ein wieder mal toller Artikel. Ich muss jedoch gestehen, dass es mir viel zu viel Arbeit wäre, noch zu verkaufen, obwohl es manchmal sinnig wäre. Ich verschenke dann meisten.
    Liebe Grüße!

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    • Sonja 1. November 2016 at 5:01 pm

      Danke dir! Naja, ich finde, dass Mädchenflohmarkt da ein schönes Beispiel ist! Musst mal schauen wie viele „große“ Blogger da kistenweise hinschicken – kaum Arbeit und trotzdem ein paar Euro kassieren, wenn was verkauft wird. Scheint sich zu lohnen 😉

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  • pinkpetzie 1. November 2016 at 6:18 pm

    Samples zu verkaufen, ist sicherlich sinnvoll. Aber ich mache es bisher auch nicht. Irgendwie ist es mir dann doch meist zu anstrengend. Eigentlich total blöd, weil man eben mit Duschgel und Co keine Rechnungen bezahlen kann. Und so viel Zeug auch überhaupt nicht braucht.
    Liebe Grüße

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    • Sonja 1. November 2016 at 6:29 pm

      Ich glaube, wenn man mit Duschgel Rechnungen zahlen könnte, hätten viele Blogger das Paradies auf Erden 😀

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  • Tabea 1. November 2016 at 8:11 pm

    Was, nur 2 Pakete und ein einziger Brief? Das ist aber eine maue Ausbeute – oder hat der Postbote etwa die ganze Fanpost mit süßen selbstgebackenen Keksen und schicken, persönlichen Karten beschlagnahmt, weil er neidisch war?

    Hach, aber immerhin den Marmortisch kann sie sich vormogeln… wenn sie schon keinen echten Dielenboden hat, der auch so toll wirken würde.
    Aber was für ein Glück, dass die vier Tageslichtlampen noch vom Vortag aufgebaut sind, um wenigstens eine traumhaft helle Wohnung vorgaukeln zu können.

    Aber der Vormittag war ja echt stressig – so viel zu tun für den Blog. Und es gab auch schwere Entscheidungen zu treffen… sollte man die Kooperation mit der Tierversuche durchführenden Kosmetikfirma annehmen, weil sie eben viel Geld einbringen würde, oder würde das am Ende noch einen Imageschaden verursachen, wo man doch in den letzten Monaten so mühevoll nur noch tierversuchsfreies und veganes Zeug verbloggt hatte, weil das eben gerade gut ankommt bei jungen Leuten?

    Und dann dieser Ärger am Nachmittag: Warum konnten ihr die Firmen denn nicht mal ein Teil schicken, was ihr auch gefiel? Oder einfach einen Gutschein, sodas sie selbst wählen könnte. Langsam nervte es doch, immer nur ein Foto von dem Teil für den Blog zu machen, und das Ding danach wenigstens für einige Wochen einzulagern, bevor es auf Kleiderkreisel wandern konnte. Direkt dort einstellen wäre ja unglaubwürdig – es muss doch wenigstens so wirken, als hätte sie es eine Weile auch mal ab und zu getragen.

    Liebe Grüße

    PS: Darf ich auf Teil 3 hoffen? Ich liebe diese Posts!!! 🙂

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    • Sonja 1. November 2016 at 11:20 pm

      Sehr cool hast du das geschrieben!!! Und ja, ich glaube es wird noch einen dritten Teil geben 😉

      Lieben Dank dir für deine tolle Ausführung!!!

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  • Anne Marie 2. November 2016 at 1:38 pm

    Ich hoffe, diese, ich nenn sie mal, Kolummne erhält einen festen Platz auf deinem Blog. Ich bin total von ihr begeistert! ♥

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    • Sonja 2. November 2016 at 3:27 pm

      Uh, vielen lieben Dank für deine Worte!! Freut mich riesig, dass sie dir so gut gefällt 🙂 Mal schauen ob es noch mehr Teile gibt, aber solange kann ich dir die Reihe „Spezies Blogger“ empfehlen 😉 Link findest du in der Sidebar! LG

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  • Andrea 2. November 2016 at 6:29 pm

    Ich finde das echt ekelhaft, wenn manche ihre Samples verkaufen. Bekommen es selbst geschenkt und machen dann Geld damit? Ah, vielleicht bin ich einfach zu moralisch oder zu alt, womöglich auch beides. Ich würde sowas verschenken, denn irgendwer freut sich doch bestimmt noch drüber.

    Ich hoffe, Du setzt diese Reihe fort, so lange Dir etwas einfällt und das kein Stress wird, ich habe Teil 2 auch so gerne gelesen 🙂 So ein affiger Mist, ne, von wegen Marmorbrett, haha….wenn man solche Sätze (und auch schon viele aus Teil 1) auf sich wirken lässt, merkt man immer mehr, was das eigentlich für eine Scheinwelt ist 🙂 Liebe Grüße

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    • Sonja 3. November 2016 at 10:17 pm

      Ich finde es gar nicht so schlimm, wenn die PR-Samples verkauft werden. Gerade teure Markenklamotten – warum nicht?
      Durchaus möglich, dass es einen Teil 3 geben wird – es gibt ja noch genug aus der schönen Blogger-Schein-Welt^^

      Liebe Grüße an dich!

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  • Tabea 2. November 2016 at 7:46 pm

    Gern geschehen – irgendwie war dein Beitrag eben „ansteckend“. Dann freue ich mich schon mal 🙂

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  • borstigesflauschi 3. November 2016 at 9:50 pm

    Ach das ist nur Folie? Und ich dachte, seit neustem gibt es Marmortische bei Ikea, passend zu weißen Billie Regalen und Pax Schränken.

    Und es fehlt der Matcha Tee in der passenden schale mit dem Matchateeschneebesen aus japanischem Bambus daneben. Und der kleine Zengarten mit Miniaturharke. Für Feeling und so.

    „Den Rest des Vormittages widmete sie sich dem Schreiben. Neue Blopost´s mussten vorbereitet werden, es gab noch Bilder zu bearbeiten, E-Mail Anfragen und zwischendurch immer mal wieder einen Blick in Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat.“ <— jap und dafür werden dann 3 Geburtstage ausgeschlagen und ein businesscall verlegt, weil Bloggerin ist busy und so. Und heult dann aber bei Snapchat herum, dass 10000 Instapics nötig waren, damit eines mal gelingt das den Hashtag #nofilter auch wirklich verdient hat. Aber #yolo, ne? Weil #beautyguru, #sunnymind, #cuzIcan

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    • Sonja 3. November 2016 at 10:21 pm

      Ja, das ist Folie bei vielen, gibt sogar ganz viele Tutorials im Netz zu finden, wie man sich sowas „zusammenbastelt“ 😀
      Den Matcha Tee gab es übrigens in Teil 1 😉 Als wenn ich ein soooo wichtiges Detail vergessen könnte 😀 Lach mich nicht aus, aber sowohl #YOLO als auch #cuzIcan musste ich gerade googlen – noch nie vorher gehört 😀 😀 😀

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  • borstigesflauschi 3. November 2016 at 10:53 pm

    also ich kenne diese Folie für die Wand, so dass es aussieht wie Ziegel oder Holz.
    Aber Marmorfolie für den Tisch war mir wirklich neu. Der Rest war aber eher Zynismus.

    #yolo sehe ich sehr häufig und es geht mir auf die Blase. Dieses You only live once heißt doch im Grunde nur, dass es ne Ausrede ist um entweder viel Mist zu machen oder seine Oberflächlichkeit herunterzuspielen.
    Ist also fast noch schlimmer als der Satz „Ungeschminkt bringe ich nicht einmal den Müll raus“
    #CuzIcan habe ich auch nicht so oft gesehen, aber ich habe ihn echt gefressen, weil mir dieses „Hiphopdenglisch“ echt zuviel wird.
    Das ist so wie die Leute die sich nur noch mit Diggah und Bro anreden.
    Aber das ist eine andere Geschichte

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    • Sonja 4. November 2016 at 9:04 pm

      Siehst du, nun kennst du Marmorfolie und ich Yolo 😀

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  • Anja 8. November 2016 at 11:00 am

    Ich muss zugeben, bei der Marmorfolie gehts mir ganz genauso 😀

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    • Sonja 8. November 2016 at 4:07 pm

      Ist ja auch gar nicht schlimm, schließlich geht es um schöne Fotos. Ist aber halt auch so ein typisches „Bloggerding“ 😀

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  • Sonnenuntergänge November - Habutschu! 30. November 2016 at 7:47 am

    […] ist als der zugehörige Instagram-Account; Sonja machte sich auf ihre humorvolle Art wieder über das normale Blogger-Leben und auch über das vorweihnachtliche Blogger-Leben lustig. Vladimir dagegen bleibt technisch und […]

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  • Hashtag Bloggerlife 26. Dezember 2016 at 10:37 am

    […] weiter bei Teil 2 und Teil […]

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  • Hashtag Bloggerlife Teil 4 16. April 2017 at 7:06 pm

    […] geht es zu den Teilen 1, 2 und […]

    Reply
  • Hashtag Bloggerlife Teil 3 23. April 2017 at 7:30 am

    […] Hier findet ihr die ersten Teile der Kolumnen-Serie „Hashtag Bloggerlife“ Teil 1 & Teil 2 […]

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