Fast Fashion vs. Lieblingsteile

„Du würdest hier auch viel finden!“ Ich lächle nur und argumentiere damit, dass ich nichts brauche. „Aber günstiger als hier bekommst du keine Klamotten!“, versucht sie mich zu überzeugen und zückt am Ende ihre EC-Karte, um die 50 Euro zu bezahlen und einen Klamottenberg in Tüten nach Hause zu schleppen. Die eine Hose hat sie 3x gekauft. „Die geht so schnell kaputt, passt aber super und so habe ich welche auf Vorrat!“

Als ich am nächsten Morgen meine Sweathose und meinen Hoody anziehe, um es mir am Schreibtisch bequem zu machen, fällt es mir auf. Den Hoody trage ich nun das vierte Jahr. Mein Lieblingshoody, für den ich damals 70 Euro bezahlt habe, der einer bekannten Sportmarke angehört und heute noch genauso gut aussieht und sich anfühlt wie am ersten Tag. Die Sweathose, die ich damals für 100 Euro gekauft habe – weil sie die einzige war, die mir in der Länge passte und ich nicht ohne nach Hause gehen wollte. Aber sie trage ich heute noch. Ohne Mängel, ohne ausgebeulte Knie – irgendwann um 2010 muss sie bei mir eingezogen sein…

Warum ich Fast Fashion nicht verurteile…

Sie hat ihre Argumente für den Kauf, ich habe meine Argumente gegen den Kauf. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, nie etwas in einem der Mode-Discounter gekauft zu haben. Meinen ersten Jumpsuit, den ich mehr aus Neugierde gekauft hatte, um zu sehen, ob der wirklich so bequem ist wie alle schwärmen: ein Produkt unter 20 Euro und der Fast Fashion Industrie entsprungen. Ich habe den Kauf nie bereut, auch wenn der Jumpsuit nach dem ersten Sommer nur noch ausgeleiert war und an mir hing wie ein nasser Sack. Aber er hat mir gezeigt, dass es sich für mich lohnt, in ein hochwertigeres Modell zu investieren, weil ich den Schnitt und den Komfort einfach mag. Fast Fashion kann helfen, sich auszuprobieren ohne dabei Unsummen an Geld auszugeben.

…aber dennoch Qualität bevorzuge

Ich bin niemand, der sich auf eine Marke einschießt, ein Bio-Label am Etikett sehen muss oder sich damit brüstet, ausschließlich vegane Mode zu tragen. Würde ich das behaupten, wäre es gelogen. Ich kaufe mittlerweile nur noch sehr, sehr selten Klamotten. Zieht ein neues Teil bei mir ein, dann eines, dass mich in seiner Qaulität überzeugt. Ich mag kein Geld mehr für Klamotten ausgeben, die ich nach 3x tragen in den Müll werfe. Dafür ist mir mein Geld zu schade. Wenn ich etwas kaufe, dann möchte ich es auch tragen – mehr als 1x, länger als nur eine Saison. Liegt es daran, dass sich im Laufe des Lebens die Prioritäten verschieben? Der Geschmack verändert? Vielleicht. Ich habe für mich festgestellt, dass ich es liebe, blind in den Kleiderschrank greifen zu können und ein Lieblingsteil in der Hand zu haben. Eines, dass ich kenne, das mich schon mehrfach im Leben begleitet, in Szene gesetzt oder mich warm gehalten hat. Ich weiß, dass mein Lieblingshoody zu Jeans an einem kühlen Sommerabend genauso gut aussieht und sich anfühlt wie im Jahr zuvor, als ich krank und frierend im Bett lag. Meine Jeans wird beim Toben mit den Hunden genauso oft dreckig, wie sie mich ins Restaurant begleitet und mit den Pumps für den wow-Effekt sorgt. Fahre ich in den Urlaub oder nur übers Wochenende weg, muss ich mir keinen Kopf machen, was ich mitnehme. Meine Klamotten haben sich in so vielen Momenten bewährt, mich gut aussehen lassen und haben mir dieses „Wohlfühl-Gefühl“ gegeben – da war die Wahl, was mich in den Urlaub begleitet, nie wirklich schwer.

Fast Fashion oder teure Lieblingsteile?

Ich kaufe mir lieber ein Teil, von dem ich lange etwas habe als 3 günstige, die nach wenigen Wochen in den Müll wandern. Ich mag einfach nicht unterwegs feststellen müssen, dass sich die Naht löst. Ich mag nicht den ganzen Tag mit wichtigen Menschen verbringen und ständig überlegen müssen, ob mein Shirt noch genauso gut sitzt wie am Morgen oder bereits am Ausleiern ist. Fast Fashion ist für mich eine Möglichkeit des Ausprobierens – gewesen. Da ich aber mittlerweile meine Lieblingsstücke von den Schnitten, Formen und Farben gefunden habe, hat sich der Fast Fashion Anteil in meinem Kleiderschrank drastisch reduziert – aktuell sind es nur noch 4 Teile, die ein Fast Fashion Label zieren – und ja, ein bisschen stolz darauf bin ich schon, behaupten zu können, dass ich einen Schrank voller Lieblingsteile habe!

Wie steht ihr zu diesem Thema?

P.S. Wenn ich mir neue Lieblingsteile teurer Marken kaufe, dann oft im Sale – Qualität muss also nicht immer teuer sein 😉

Comments

  • Tabea

    Uarg – Ich habe echt kein gutes Gefühl dabei, wenn ich Sätze wie „geht so schnell kaputt, passt aber super und so habe ich welche auf Vorrat!“ lese…
    Ich hasse es einfach total, wenn meine Kleidung kaputt geht und würde aber nie Kleidung auf Vorrat kaufen wollen…

    Dass du deine Teile noch nach Jahren trägst, ist wirklich schön. In meinem Schrank hängt vieles, was ich gebraucht geschenkt bekam und auch einiges, was ich mir vor Jahren zulegte. Nur bei den Hosen sind alle maximal 2 Jahre alt, da ich seitdem stark abgenommen habe.

    Deine Einstellung ist einfach sooo schön! Ich will auch nur noch Lieblingsteile haben und kaufte daher eigentlich gar nichts mehr neu, sondern nur Second-Hand wegen der Nachhaltigkeit. Außerdem will ich selbst mehr nähen, damit die Teile für mich mehr Bedeutung bekommen… aber Teile nur für eine Saison gab es bei mir eh nie wirklich. Mein größeres Problem ist eher, zu viel Zeug geschenkt zu bekommen, dass mir nicht vollkommen zulagt.
    Liebe Grüße

    Reply to Tabea
    • Sonja

      Lieben Dank dir 😀 Das mit dem Schenken kenne ich auch. Aber mittlerweile wissen die meisten, dass es bei mir keinen Sinn macht^^ Kleidung auf Vorrat würde ich auch nie machen, aber gut, jedem so, wie er es mag 😉

      P.S. Freu mich immer noch mega für dich wegen deinem Pony 🙂 🙂 🙂

      Reply to Sonja
  • shadownlight

    Hey, ich denke absolut wie du auch.
    Liebe Grüße!

    Reply to shadownlight
  • Lila

    Fast Fashion ist ein schwieriges Thema. Wenn man es schafft, die qualitativ guten Teile zu finden und seine Mode länger als ein paar Wochen trägt, ist es okay. Leider tendieren viele dazu, ihre preiswert gekauften Teile nur eine Saison zu benutzen und dann wegzuschmeißen. Ich verurteile Marken, deren Qualität keine Wäsche aushalten, aber es gibt auch Produkte, die günstig sind und mehree Jahre halten. Dennoch möchte ich zugeben, das ich einfach zu ängstlich und zu geizig bin, 200€ für ein einziges Teil auszugeben. Leider besitze auch ich einige Teile im Wert von über 100€ die ich kaum getragen habe und Teile, die relativ schnell kaputt gegangen sind. Am traurigsten ist bei mir das Thema Schuhe, denn da passt mir aus dem günsitgen Segment gar nichts, aber aus dem bezahlbar teurem Segment gehts zu häufig zu schnell kaputt. Wenn es nur einen Ratgeber für gute Qualität gäbe…
    Ich habe auch das Problem, dass ich meinen Geschmack bei höherpreisigen aber bezahlbaren Labels einfach nicht finde, weil die sich meistens auf klassische Farben spezialisiert haben. Das führte u.a. dazu, dass alle meine abstrakten bunten Sommerkleider sehr günstig sind, weil ich NIRGENDS solche Muster gefunden habe – Mittlerweile finde ich so etwas noch nicht einmal dort, wo ich sie gekauft habe.

    Reply to Lila
    • Sonja

      Ich hatte auch schon Sachen die günstig waren und lange gehalten haben und habe hingegen auch teure Teile, die nach wenigen Stunden tragen total ausgeleiert sind (da fällt mir spontan das Hilfiger Shirt ein^^ 40 Euro für ein einfaches schwarzes T-Shirt und das Teil ziehe ich nur noch zum Reiten an^^). Geärgert habe ich mich auch über eine Jeans von Mustang, die ja nun echt nicht billig ist und kein Jahr gehalten hat. Ansprüche zu hoch? Definitiv nicht, denn von einer Jeans erwarte ich Robustheit…

      Klar, mit speziellen Farb- oder Musterwünschen ist es bestimmt schwer etwas in bestimmten Bereichen zu finden.

      Solltest du den Ratgeber für gute Qualität gefunden haben, dann sag mir Bescheid^^

      LG an dich und eine schöne Woche!

      Reply to Sonja

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