Einen Fuß vor den anderen – auch wenn es schwer fällt

Einen Fuß vor den anderen

Ich schwanke. Trete auf der Stelle und mache im nächsten Moment einen riesen Sprung nach vorne. Alles ist so klar, die Sicht ist ungetrübt. Freue mich auf den Tag, erledige einen wichtigen Job und gegen Mittag bin ich happy über das, was ich an diesem Morgen geschafft habe. Wenige Stunden später bin ich nur noch müde, mag mich verkriechen und schlafen wollen.


Ein paar Tage später…

Das Laub raschelt unter meinen Füßen und ich blicke mich um. Die Bäume strahlen in ihren bunten Herbstkleidern in der Sonne um die Wette. Ich setze mich auf die Bank und schaue den Hunden zu, die voller Begeisterung eine Fährte aufgenommen haben. Ich bin glücklich. Stolz auf meine beiden Racker, wie sie da in trauter Zweisamkeit die Welt erkunden und die Kleine von der Großen dabei an die Hand/Pfote genommen wird. Nach einer guten Stunde sind wir wieder zu Hause. Ich ziehe die Jeans aus, tausche sie gegen meine Reithose, T-Shirt, Weste und fahre in den Stall.

Sie genießt die Massage, die Berührungen mit der Bürste und streckt den Hals nach oben. Verzieht das Maul… und schnaubt zufrieden. Der Reitplatz ist vom Regen durchtränkt und dennoch ziehen wir unsere Runden zum Aufwärmen im Schritt. Noch scheint die Herbstsonne auf uns. Aus dem Aufwärmen wird eine halbe Stunde voller Dehnen und gymnastizierenden Übungen – und ich belasse es zufrieden dabei.

Ich sitze wieder im Auto und fahre nach Hause. Fahre der untergehenden Sonne entgegen und denke an meine To Do Liste. Ich bin motiviert als ich daheim ankomme, begrüße die Hunde, gehe eine kleine Runde mit ihnen vor die Tür. Dann bereite ich mir meinen Cappuccino zu, schäle mich in bequeme Klamotten und setze mich an den Schreibtisch. Meine To Do Liste ist geöffnet – und meine Motivation verflogen.


Träumen oder kämpfen?

Ich bin müde – wie so oft in letzter Zeit. Mag wieder nur noch schlafen wollen. Die Augen schließen, ins Land der Träume entfliehen. Liegt es am Herbst? An den wenigen Sonnenstunden?

Mir fällt es schwer, mich in gewissen Situationen selbst zu motivieren. Ich habe Träume, ich habe Ziele. Aber noch immer sind sie nicht klar genug, dass ich sie greifen kann – und dieses Wissen, die Träume nicht zu 100% benennen, definieren zu können… es strengt an. Ich muss mir diesen Druck nicht machen, es zwingt mich keiner dazu und dennoch mache ich ihn mir.

Ich liebe meinen Job, habe für ihn und meine Selbstständigkeit gekämpft und gewonnen. Lebe von dem, was ich liebe. Und das sollte doch eigentlich schon die absolute Erfüllung sein, oder?

Es ist Jammern auf ganz hohem Niveau, denn ich habe das Privileg, genau das tun zu dürfen, was ich will. Was mir so unendlich viel Spaß macht – und dennoch habe ich das Gefühl, dass irgendwas fehlt. Und ich weiß nicht, was es ist. Aber dieses Gefühl, es unbedingt wissen zu müssen, macht mich wahnsinnig. Seit Wochen versuche ich es auszublenden – und irgendwie macht es das nur noch schlimmer. Ich werde mein Ziel, mein greifbares und genau definierbares Ziel schon finden. Ein Ziel, was ich in wenigen Wochen oder auch vielleicht erst Jahren erreichen kann. Wenn ich mein Ziel genau kenne, lässt sich der Zeitraum der Verwirklichung besser definieren. Aber ich brauche etwas, auf das ich hinarbeiten kann – und mehr Geld auf dem Konto macht micht nicht glücklich. Es muss kein großes Ziel sein. Aber ein Ziel eben, dass sich in Etappen erreichen lässt – ich brauche das einfach… Eine Schwäche? Vielleicht.

Vielleicht bin ich im Moment auch nur zu bequem um über den Tellerand zu schauen? Das Leben, wie ich es führe, ist schließlich das, was ich immer wollte.

Und dennoch sitze ich hier in meinem Büro, starre die Blumen vor mir an, sehe das Bild an der Wand und merke, dass es das noch nicht ist. Mein Leben ist von außen betrachtet perfekt und ich liebe es – und dennoch stehe ich vor einer Mauer und weiß sie nicht zu überwinden.


Einen Fuß vor den anderen – auch wenn es schwer fällt

Und nun? Nun mache ich weiter. Schritt für Schritt und was das Ziel sein wird, werde ich schon noch herausfinden. Zwischen Träumen und Denken, zwischen Arbeiten und Genießen.

Dieser Beitrag ist ein sehr persönlicher Beitrag. Fashionqueens Diary – eine Art Tagebuch, in dem ich mich austobe. Meine Gedanken in die Welt hinaustrage. Ich will mit diesen Worten weder andere berühren, noch (Anti-) Sympthatien hervorrufen.

Aber wenn es nur einen einzigen Menschen erreicht und ihm zeigt, dass auch andere Menschen ihre Schwächen haben, kämpfen müssen, sich mal verkriechen und klein machen wollen – du bist nicht allein! Verliere nie das aus den Augen, für was du bisher gekämpft hast! Ich arbeite an mir und kämpfe gegen mich und meine starrsinnigen Kopf, unbedingt etwas definierbares erreichen zu wollen.

Nicht aufgeben, weitermachen. Jeden Tag neu berappeln und das Leben leben – mit allen Schwächen und Fehlern die man hat – das ist es doch, was zählt!?

Schreiben wir die Geschichte unseres Lebens… und was wäre eine Geschichte ohne Schattenseiten?

17 Comments

  • sandravahle 27. Oktober 2016 at 10:48 am

    Liebe Sonja, ich finde diesen Beitrag sehr gelungen und emotional! Auch wenn man seine Träume lebt, Unmengen an Glücksgefühlen und Spaß dabei erlebt (die mit keinem Geld der Welt zu bezahlen sind) – ist es vollkommen normal, dass man zwischendurch in Melancholie und Nachdenklichkeit und ja auch in Traurigkeit verfällt. Momente, in denen man kurz schwach ist, und sich vielleicht auch mal selbst bemitleidet (ich finde, das darf man manchmal ruhig;)). Mir hilft es in solchen Momenten immer, mich auszutauschen, mit jemanden zu reden, oder aber alles, was mich beschäftigt in einem Blogbeitrag niederzuschreiben, so wie du es getan hast! Selbstreflexion ist toll, und Authentizität bewundere ich noch viel mehr! Meist reicht schon wieder ein kleiner Glücksmoment (in meinem Fall ist das oft eine neue positive Buchrezension, oder eine liebe E-Mail von Lesern), und schon ist der Spaß wieder da und vor allem aber die Freude auf die Zukunft und neue Projekte!
    Liebe Grüße Sandra

    Reply
    • Sonja 27. Oktober 2016 at 3:23 pm

      Hallo Sandra, herzlichen Dank für deine Worte! In der Tat können Kommentare unheimlich aufbauen und wie du schon richtig erkannt hast, sind es eben „nur“ Phasen. Ich hoffe, dass diese schnell überwunden ist. Ich baue auf deine Versicherung, dass es mit fortschreitender Zeit besser wird – tausend Dank dir <3

      Reply
  • sandravahle 27. Oktober 2016 at 10:53 am

    PS: ich finde aber auch, dass es ein gesunder Prozess ist, und du befindest dich gerade in den Anfängen deiner Abenteuerreise – ich kann dir hoch und heilig versichern, dass die Phasen der schwindenden Selbstmotivation und Schattenseiten mit fortschreitender Zeit und gesammelten Erfahrungen immer weniger werden!

    Reply
  • Aurelia 27. Oktober 2016 at 11:29 am

    Moin Sonja,
    ach ja solch Gefühlschaos ist immer doof. Besonders wenn man nicht genau greifen kann was da eigentlich fehlt, weil man eigentlich ja das hat was man wollte. Woran das liegt habe ich bisher auch noch nicht rausgefunden. Dieses Gefühl kommt einfach macht sich ne Zeit lang breit und verschwindet dann wieder, echt komisch.
    Vielleicht liegt es einfach in der Natur des Menschen um ihn zu fordern und nicht im Stillstand zu verharren?

    Dein Text ist wieder so toll geschrieben, ich fühle da richtig mit 🙂
    Daumen sind gedrückt das es bald wieder vorbei ist dieses Gefühl das was fehlt.

    Liebe Grüße
    Aurelia

    Reply
    • Sonja 27. Oktober 2016 at 3:44 pm

      Hallo Aurelia, auch dir vielen lieben Dank für deine Worte. Ja, wir Menschen sind manchmal echt komisch – was hat sich die Natur bei uns nur gedacht^^ Solltest du es vor mir herausfinden, freue ich mich auf deine Zeilen 🙂
      Danke dir fürs Daumen drücken — wird schon wieder, da bin ich mir sicher – und gehe jetzt eine große Runde mit den Hunde nach draußen. Die Sonne scheint so herrlich und die Arbeit kann bis heute Abend warten 😉

      Liebe Grüße an dich!

      Reply
  • shadownlight 27. Oktober 2016 at 5:33 pm

    Hey, das hast du sehr schön geschrieben. Ich weiss zu genau wie du dich fühlst. Manchmal fühle ich mich angekommen, dann wieder nicht. Manchmal bin ich voller Energie und dann wieder sehr sehr müde. Ab und zu möchte ich einfach alles erreichen und dann merke ich, wie mir die Kraft dazu fehlt.
    Gefühlschaos ist, so denke ich, normal, dafür sind wir Menschen :).
    Liebe Grüße!

    Reply
    • Sonja 30. Oktober 2016 at 10:49 am

      Danke dir! Ja, es ist manchmal echt ein auf und ab, aber ich denke (so im Nachhinein) ohne wäre das Leben wahrscheinlich sehr langweilig 🙂

      Schönen Sonntag dir!

      Reply
  • MirliMe 28. Oktober 2016 at 9:21 am

    WOW, ich bin abslut beeindruckt von deinen Worten und dem wunderschönen Bild. Du hast mich mit jedem Wort gefesselt und auch zum Nachdenken gebracht, weil ich dir in so vielem absolut nachfühlen kann. Deine Gedanken so wunderschön in Worte gefasst, Respekt. Ich wünsche dir ein ganz fabelhaftes Herbstwochenende und dass du deine Motivation und Freude wiederfindest. Alles Liebe und ganz liebe Grüße, x S.Mirli (http://www.mirlime.com)

    Reply
    • Sonja 30. Oktober 2016 at 10:48 am

      Vieleb lieben Dank dir! Ich wünsche dir auch noch einen schönen Sonntag, bei dem herrlichen Sonnenschein ist meine Motivation heute echt riesig *freu*

      Reply
  • Lila 28. Oktober 2016 at 10:14 pm

    Genau dieses Gefühlschaos erlebe ich seit einigen Jahren am Stück. Eigentlich sollte ich glücklich sein, aber irgendwie fällt es mir schwer, meine Erfolge anzuerkennen. Ich hoffe, dass sich das nach dem Studium lichtet und ich endlich mit einer Sache glücklich werde, die realistischer zu erreichen ist als meine Träume. Auch wenn ich mit dem Studium wesentlich zufriedener bin als mit meiner Schulzeit, habe ich das Gefühl, dass mich andere Dinge wesentlich glücklicher machen und mehr motivieren – Oft leider Dinge, die ich gar nicht oder kaum beeinflussen kann. Studiere ich das Falsche? Ich denke nein, weil sich hier Interesse und Chancen halbwegs die Waage halten, während in anderen Bereichen wesetlich mehr Interesse aber wesentlich geringere Chancen habe oder andersherum.
    Immer wieder bin ich erstaunt, wie oft ich meinen Träumen hinterhergejagt bin und wie eifrig ich sie noch umsetze, obwohl ich schon so oft gegen eine Wand gelaufen bin und richtig fiese Sachen erlebt habe. Du hast aber Recht, dass ich mehr an meine Erfolge denken sollte… Das fällt einem nach all den Pannen, harten Worten und Misserfolgen richtig schwer. Ich glaube dass der wahre Grund darin steckt, dass glücklich sein bei mir sehr viel mit Anerkennung zu tun hat…

    Reply
    • Sonja 30. Oktober 2016 at 10:44 am

      Ich kann dich aber verstehen, wenn man keine Anerekennung für das, was man tut, erhält, ist es ohnehin schwierig sich überhaupt noch zu motivieren…
      Ich kann auch nur von mir aus sagen (was auch mir immer mal wieder hilft): denk an das, was du schon erreicht hast. Das zeigt, dass du etwas erreichen kannst und dass der Weg zu neuen Zielen dadurch gar nicht so unrealistisch ist!

      Reply
  • Charli 29. Oktober 2016 at 1:23 pm

    Hallo Sonja,
    ich borge mir jetzt einfach mal dein Einhorn und verstreue ein bisschen Glitzer. 😉
    Ich glaube ja, dass die fehlende Sonne Schuld ist und obwohl ich ein Herbstfan bin, kenne ich auch dieses Gefühl.

    Meine Eltern sind ja auch schon immer selbstständig und müssen sich quasi immer selbst motivieren. Sie machen ab und an so kleine Reisen, schauen sich Ausstellungen, oder Museen an und entdecken irgendwelche coolen Orte. Das ist ihnen wichtig um den Kopf frei zu bekommen und für neuen Input. Da sie auch kreativ tätig sind, ist es vielleicht auch für dich eine Idee.

    Ich wünsche dir jedenfalls „gute Besserung“ und das du die Phase schnell hinter dich bringst. Hunde knuddeln hilft ja auch immer, aber das machst du bestimmst schon. Ich habe zwei Norwegische Waldkatzen, die sind auch ein bisschen hundemäßig drauf. Sie holen Stöckchen, verstecken irgendetwas und wedeln bei Freude mit dem Schwanz und sie wissen immer ganz genau, wenn es einem von uns nicht so toll geht. Dann wird derjenige solange bekuschelt bis es wieder gut ist. Hilft irgendwie wirklich. Tiere sind einfach toll und du hast ja auch noch ein ganz grosses Kuschelpferd. 😉 Also, kann gar nichts schief gehen. 😉

    LG und ganz viel Glitzer
    Charli

    Reply
    • Sonja 30. Oktober 2016 at 10:42 am

      Natürlich leihe ich dir mein Einhorn 😀 Lieben Dank für deine Worte, es ist immer ein ziemliches Auf und Ab, aber momentan geht es wieder und wie du schon schreibst, habe ich tierische Gefährten, die mir alles ein wenig schöner machen 🙂
      Urlaub und generell wegfahren ist momentan durch den Welpen schwer, aber für nächstes Jahr wieder viel mehr geplant! LG und dir einen schönen Sonntag!

      Reply
  • Warum ich arbeite 7. Januar 2017 at 9:56 am

    […] Die letzte Zeit war ein regelrechter Kampf gewesen. Ständig müde und lustlos. Mir fehlte einfach die Motivation, das Ziel – und daran fraß ich mich so fest, dass ich für einen zu langen Moment alles liegen ließ. Das Resultat war dann am Samstag deutlich zu spüren. Die Deadlines mussten eingehalten werden und so arbeitete ich Samstag bis in die Nacht hinein. Die Party? Verpasst. […]

    Reply
  • Wenn Frauen schreiben... #44 (...sollten sie nicht rennen...) 29. Juli 2017 at 10:02 am

    […] Frauen schreiben, dann müssen sie lernen, dass Rennen nicht immer die Lösung ist. Einen Fuß vor den anderen setzen, in langsamen Schritten das Ziel erreichen – das ist manchmal so viel […]

    Reply
  • Wenn Frauen schreiben... #37 (ersetzen sie fehlende Worte durch Glitzer) 23. November 2017 at 9:20 am

    […] Seifenblase in den schillernsten Farben erstrahlt – dann weiß man, dass es sich gelohnt hat. Jeder einzelne Schritt. Jeder Kampf, den man mit sich und anderen ausgefochten hat. Man lernt zu schätzen, was man hat […]

    Reply
  • Home Office – rosarote Glitzerwelt? 23. November 2017 at 9:35 am

    […] Tagen eine echte Überwindung, aber die Arbeit muss erledigt werden. Und wenn ich nicht gerade ganz miese Phasen habe, dann klappt das meist trotzdem ganz gut. Der wichtigste Vorteil für mich am Home Office ist […]

    Reply

Leave a Comment