Blogger – ein erschreckendes Vorbild? Manche schon…

Ich lese andere Blogs. Ich liebe es, mich durch Outfit-Post´s zu klicken, über die neusten Beauty-Produkte zu lesen und mich für das eine oder andere begeistern zu lassen. Grundsätzlich ist daran ja auch nichts verkehrt. Vieles inspiriert einen oder löst ehr das Gegenteil aus: totales Unverständnis für einen neuen Trend, der nach allem aussieht, nur nicht trendy wirkt. Doch darum geht es eigentlich gar nicht. Viel mehr geht es darum, dass ich es tatsächlich wahrhaftig traurig, wenn nicht sogar frustrierend finde, dass viele Blogger nur noch „irgendwas vorgaukeln“. Irgendwas posten, was sich gut macht oder noch ein paar neue Follower anlocken könnte.


Photoshop und Filter

Wie realistisch es ist, dass Blogger X dieses Outfit im realen Leben tragen würde? Dass die Wohnung nicht wirklich so aussieht wie auf den Bildern? Das ist egal. Hauptsache auf den geposteten Beiträgen sieht es gut aus und zeigt aller Welt, dass man der beste/tollste/schönste/klügste/reichste (what ever) Mensch der Welt ist. Ja, ich gebe es zu: ich komme mir dabei ehrlich gesagt ziemlich veräppelt vor. Es gibt Menschen, die versuchen nach diesen Idealbildern zu streben. Die einen hungern sich dabei auf ein Minimalgewicht herunter („Auf dem Bild sieht Blogger X soooo toll und schlank aus!“, dass hier Photoshop im Spiel ist, wissen viele gar nicht), andere stürzen sich in eine Schuldenfalle, um die eigene Wohnung genauso auf Vordermann zu bringen wie das virtuelle Vorbild. Und wenn dieses Vorbild eben jeden Tag einen frischen Blumenstrauß auf dem Tisch stehen hat und damit auch noch erfolgreich ist, dann muss das ja eine Garantie dafür sein, dass ohne Blumen nichts geht.


Die Traumwelt

Ich übertreibe? Nein, finde ich nicht. Ich finde ehr diese verzerrten Bilder übertrieben. Dieses „perfekt dargestellte“. Wir sind alles nur Menschen mit Makeln und Fehler. Mit schlechten Eigenschaften, die genauso interessant sein können wie der perfekt gezogene Lidstrich. Dass Erfolg jedoch vom Können abhängt, das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Wenn dem nicht so wäre, dann wären viele nicht so erfolgreich. Dass das Können manchmal nur in der perfekten Bearbeitung von Bildern liegt, ist an dieser Stelle egal. Diese Personen können etwas: sie erschaffen eine Welt, von der andere träumen. Nach der andere streben – koste es was es wolle.


Carrie Bradshaw als Vorbild?

Ich mag dieses übertriebene dargestellte Leben nicht. Ja, ich schreibe auch. Ja, ich wäre auch gern erfolgreich damit und ja, auch ich hätte gerne ein perfektes Leben. Obwohl… nein, ich muss mich korrigieren: ich möchte kein perfektes Leben. Perfektionismus ist langweilig. Und ein langweiliges Leben will ich nicht. Ich will auch nicht eine dieser perfekten Lifestyle-Katalog-Wohnungseinrichtungen. Die machen mich weder zu einem besseren Schreiber, noch machen sie mich erfolgreicher. Ich muss auch keine Luxus-Designerkleidung haben, denn damit kann ich weder besser noch schlechter schreiben. Ich kann meine Welt damit verzerren, das ja. Aber das will ich nicht. Ich will authentisch bleiben. Denn nur mit Authentizität ist man auf Dauer erfolgreich. Ich möchte mich nicht mein Leben lang verstellen und eine Welt vorspielen, die nicht meine ist. Möchte nicht so tun, als sei ich Carrie Bradshaw aus Sex and the City – ich bin es nämlich nicht.

Ich bin nur ich. Und dazu gehört nun einmal das, was mich ausmacht: mein Charakter. Mein Kuschel-Hoody, wenn ich an einem Beitrag arbeite. Der „mit ganz vielen Kalorien gesegneter Cappuccino“, ohne den mir das Schreiben nur halb so viel Spaß macht. Mein alter Laptop, auf dem mittlerweile 4 Tasten fehlen. Machen mich diese fehlenden Tasten zu einem schlechteren Schreiber? Zu einer schlechteren Bloggerin? Ich glaube nicht….

11 Comments

  • batcberlin 4. November 2016 at 4:33 pm

    Hallo Sonja!
    Was für ein toller, ehrlicher Beitrag! Ich finde es „erfrischend“, dass jemand genauso empfindet wie ich.
    Ich habe ja auch meinen kleinen, feinen Blog, aber hier ist alles echt – nichts gefakt oder erkauft. Klar hätte ich auch gern mehr Follower, aber die Leuten sollen meine Beiträge lieben und nicht meine selbsterschaffene Seifenblase.
    Warum ist vielen der Schein wichtiger als das Sein? – I don’t know??!!
    Auf jede Fälle – wir machen weiter so 🙂

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    • Sonja 4. November 2016 at 9:03 pm

      Lieben Dank dir! Richtig, wir machen so weiter, wie wir in Wirklichkeit sind – so soll es sein 🙂

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  • Äquilibrist 4. November 2016 at 4:49 pm

    Hi Soja,
    schöner, ehrlicher Beitrag.
    Der Kuschel-Hoodie siegt meist auch bei mir und du hast vollkommen recht, wenn man fragt, ob manche Outfits wirklich so getragen werden. Sicher, die Bilder sind oft top, für eine Illustrierte wären sie hervorragend. Die Alltagstauglichkeit sei mal dahingestellt, vor allem wenn man sich fragt, ob man sich wirklich so viel Mühe machen würde am Morgen, um so auszusehen.
    Dennoch kann man sich von diesen Outfits meist das ein oder andere abschauen, neue Kombi-Möglichkeiten in Betracht ziehen oder einfach nur die Bilder an sich schön finden. Authentizität ist jedoch das Wichtigste:)
    LG, Monique

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    • Sonja 4. November 2016 at 9:02 pm

      Abschauen und Inspriationen holen ist ja auch vollkommen richtig, aber gewisse Outfit Kombis habe ich noch nie, nie, nie in Real gesehen – auf Bildern aber ganz oft. Da frage ich mich dann immer: lebe ich (und mein ganzer Umkreis) so sehr hinter dem Mond? Ich mache mich auch morgens gern zurecht, wenn ich denn weg gehe. Da darf dann auch mal das schöne Augen Make-up drauf, die Nägel schick lackiert – ich mache mich gern zurecht und investiere da auch Zeit wenn ich Lust drauf habe. Und dennoch würde ich für ein „ich tue so als wenn es mein Alltag wäre“ Bild nie etwas tragen, was ich nicht auch in Realität im Alltag tragen würde.

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  • shadownlight 4. November 2016 at 4:58 pm

    Hey, das hast du schön geschrieben. Ich muss gestehen, dass ich für Outfitposts immer schminke, aber das mache ich im Alltag auch :). Nicht mehr und nicht weniger. Das ich jedoch meine Wohnung aufräume, wenn ich fotografiere gestehe ich :).
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!

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    • Sonja 4. November 2016 at 8:58 pm

      Mir geht es nicht ums Schminken für ein Bild oder das Aufräumen, sondern absichtlich getäuschte Dinge. Klamotten, die man privat nie tragen würde zum Beispiel, die aber (des Geldes wegen) gut genug für ein Bild sind 😉 Dir auch ein schönes Wochenende!

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  • Lila 5. November 2016 at 5:11 pm

    Mit geht dieses drappieren und vorführen echt auf den Zeiger… Ich hab mich schon oft gefragt wie viele dieser Outfits im Alltag überhauot getragen werde. Gerade im Herbst friert es mir schon beim ansehen ^^

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  • Tabea 5. November 2016 at 6:59 pm

    Blogs lese ich wohl nicht weniger gern als du. Und natürlich stoße ich da auch immer wieder auf Dinge, die mich so gar nicht ansprechen (Hier muss ich nur an Hosenröcke oder jegliche Posts über dekorative Kosmetik denken…), aber ich kann dir nur zustimmen: Schlimm wird das Ganze erst, wenn der Blogger selbst nicht mehr hinter dem steht, was er tut.

    Ich glaube, diese Grundeinstellung ist auch der Grund dafür, dass ich mir noch kein weißes Möbelstück gekauft habe. Dass ist zwar unter Bloggern gerade die einzige Farbe für Möbel, habe ich das Gefühl, aber es passt eben nicht zu mir. Ich brauche ein chaotisch wirkendes Zimmer mit unterschiedlichsten Holzfarben, um mich wohl zu fühlen – und da ist mir dann egal, dass weiß auf Fotos sicher mehr Anklang finden würde.
    Trotzdem gebe ich zu, dass ich in Blogposts NICHT meine unordentlichsten Ecken zeige, sondern meist ein Stück Tisch oder Boden mal eben „freiräume“, indem ich alles andere an die Seite schiebe. Das finde ich aber auch okay, denn das, was ich zeige, ist ja doch echt: Ich koche nicht für den Blog; ich fotografiere zu Fotoprojekten, weil ich Fotografie liebe; ich erlebe etwas, weil ich Lust darauf habe, und der Blogpost ist dann nur eine nette Ergänzung -quasi das Tagebuch, damit nichts vergessen wird; ich schreibe über die Themen, die mich interessieren. Das muss an Echtheit einfach reichen…

    Vom Glanzleben mancher Blogger, wo gefühlt jeden Tag entweder ein neues (LECKERES!) Mittagessen oder ein ebenso toller Kuchen auf dem Tisch steht – alles natürlich eine Schönheit für sich -, lasse ich mich dafür aber auch nicht blenden. Ich weiß da einfach, dass das nicht das ist, was ich zum Glücklich sein brauche. Ich brauche nämlich praktische Dinge, die auch dreckig werden dürfen und Kratzer abkönnen, ich brauche schnelles Essen ohne großartigen Aufwand beim Kochen und Spülen, ich brauche Chaos, damit mir meine Wohnung gemütlich erscheint.

    Die perfekten Welten stören mich daher vielleicht auch einfach etwas weniger als dich, eben weil ich weiß, dass sie eh nichts für mich wären -egal, ob echt oder doch Photoshop.

    Dass du selbst authentisch bleiben willst, finde ich natürlich trotzdem spitze! Denn je mehr Macken man zeigt, desto liebenswerter wirkt man doch auf andere Menschen, oder? Und solange dich das, was du tust, glücklich macht, ist der Rest eh egal!

    Liebste Grüße

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  • Wenn sich Blogger Follower kaufen... 16. April 2017 at 7:09 pm

    […] mich zu einem Thema und zu verschiedenen Gedanken austauschen kann. Die mir das bringen, was das Bloggen für mich ausmacht: der Spaß […]

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  • Was es mit der Spezies Blogger, dem Blogger Style und dem Carrie Bradshaw Tüllrock auf sich hat 23. April 2017 at 7:23 am

    […] Style, schließlich ist es eines der angesagtesten Fashionteile seit Sex and the City. Danke Carrie Bradshaw, dass durch dich nicht nur Ballerinas in weißem Tüll durch die Gegend hüpfen […]

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  • Vom Shoefie und den Nodels - Hashtags erobern die Welt 18. November 2017 at 1:55 pm

    […] out, immer das gleiche und wenn man sich nach dem zehnten gescheiterten Versuch an einem neuen Augen-Make-Up und den verknoteten Armen bei einer neuen Frisur nicht mehr zu helfen weiß, ist das Shoefie der […]

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